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Goldman-Schock trifft BASF und Brenntag — Adidas glänzt mit WM-Fantasie

Adidas profitiert von WM-Fantasie und Margenstärke, während BASF und Brenntag unter einer pessimistischen Goldman-Studie leiden. Vonovia leidet unter Zinsängsten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Adidas mit starkem WM-Effekt
  • BASF unter Goldman-Druck
  • Insiderkäufe stützen Continental
  • Vonovia auf 12-Monats-Tief

Eine pessimistische Chemie-Studie von Goldman Sachs hat am Montag tiefe Spuren im DAX hinterlassen. Während BASF und Brenntag unter dem Branchenurteil leiden, stemmen sich Adidas, Daimler Truck und Continental gegen den Abwärtssog. Vonovia gerät derweil von einer ganz anderen Seite unter Druck — das Zinsgespenst ist zurück.

Der DAX notierte gestern bei rund 24.537 Punkten leicht im Minus. Neben der Goldman-Studie belasteten verstärkte US-Zinsängste nach überraschend starken Arbeitsmarktdaten vom Freitag sowie die Eskalation zwischen Israel und dem Iran.

GewinnerKursVeränderung
Adidas165,25 EUR+2,6 %
Daimler Truck41,50 EUR+1,9 %
Continental68,58 EUR+1,2 %
VerliererKursVeränderung
BASF49,00 EUR-3,1 %
Brenntag54,96 EUR-2,4 %
Vonovia19,75 EUR-2,4 %

Adidas: WM-Effekt und Margenstärke treiben den Kurs

Adidas gehörte gestern zu den stärksten DAX-Werten. Der Sportartikelhersteller setzt seinen starken Lauf fort — allein im Mai legte die Aktie über zwölf Prozent zu. Dieser Schwung trägt in den Juni hinein.

Die Gründe liegen tiefer als bloße Marktstimmung. Die Reduzierung von Überbeständen und eine disziplinierte Preispolitik zahlen sich mittlerweile in besseren Margen aus. In den letzten Quartalszahlen verbesserte sich der Gewinn je Aktie weiter, während der Umsatz gegenüber dem Vorjahr zulegte. Die strategische Fokussierung auf margenstärkere Produktlinien trägt erste Früchte.

Charttechnisch hat die Aktie Ende Mai die 200-Tage-Linie nach oben gekreuzt — ein Signal, das Trendfolger auf den Plan ruft. Der eigentliche Kurstreiber für das zweite Halbjahr steht allerdings noch bevor: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 verspricht zusätzliche Impulse. Kein kurzfristiger Ausreißer also, sondern Teil eines intakten Aufwärtstrends mit fundamentaler Substanz.

Daimler Truck: Rückkaufprogramm stützt gegen Branchengegenwind

Der Nutzfahrzeughersteller zeigte sich gestern von seiner robusten Seite. Ein wesentlicher Stabilisator bleibt das laufende Aktienrückkaufprogramm, über das der Konzern kontinuierlich eigene Papiere vom Markt nimmt. Das schafft einen stetigen Nachfrageimpuls — besonders wertvoll im aktuellen Umfeld.

Produktseitig geht Daimler Truck in die Offensive. Mit dem neuen eActros Lowliner zielt der Konzern auf eine Nische im Volumentransport. Während Wettbewerber Kapazitäten abbauen, investiert der Lkw-Bauer konsequent in seine Elektroflotte. Bestellungen sollen ab dem dritten Quartal 2026 möglich sein, der Serienanlauf im Werk Wörth folgt Anfang 2027.

Das Branchenumfeld bleibt allerdings herausfordernd: In vielen deutschen Werken liegt die Auslastung aktuell unter 50 Prozent. Charttechnisch notiert das Papier seit dem 20. Mai im langfristigen Aufwärtstrend und hat seither knapp vier Prozent gewonnen. Der Abstand zur 200-Tage-Linie signalisiert intaktes Momentum.

Continental: Insiderkäufe senden starkes Vertrauenssignal

Ein ungewöhnliches Signal stützt die Continental-Aktie. Anfang Juni meldeten mehrere Vorstands- und Führungskräfte nennenswerte Insiderkäufe. Solche Transaktionen werden am Markt aufmerksam verfolgt — sie gelten als Ausdruck von Zuversicht in die mittelfristige Entwicklung.

Ein leitender Manager erwarb am 1. Juni Continental-Aktien zu einem Durchschnittspreis von rund 72,15 Euro. Das Transaktionsvolumen belief sich auf gut 98.000 Euro. Weitere Führungskräfte bauten im Mai und Anfang Juni zusätzliche Positionen auf. Häufende Käufe von Insidern werden regelmäßig als positives Signal interpretiert.

Im Zusammenspiel mit der laufenden strategischen Neuausrichtung hin zu Software, Elektronik und einem starken Reifensegment bleibt Continental ein zentraler Akteur im Automobilzuliefersektor. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie knapp vier Prozent im Plus — die Insiderkäufe verleihen dem Kursanstieg eine fundamentale Untermauerung.

BASF: Goldman-Studie offenbart strukturelle Belastungen

BASF war der klare Tagesverlierer im DAX. Der Auslöser ist eindeutig: Goldman-Sachs-Analystin Georgina Fraser prognostiziert einen neuerlichen Abschwung für Europas Chemiesektor. Der Nachfragerückgang sei „deutlicher und schneller“ eingetroffen als erwartet. Verstärkter Exportdruck aus China sowie eine höhere Rohstoffflexibilität chinesischer Anbieter hätten einen Großteil der vermeintlichen Marktchancen europäischer Chemiekonzerne zunichtegemacht.

Für BASF bleibt Frasers Rating zwar auf „Buy“ — das Kursziel senkte sie jedoch von 65 auf 63 Euro.

Ein zusätzlicher Belastungsfaktor zeichnet sich ab: Das im November 2025 gestartete Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,5 Milliarden Euro soll Ende Juni auslaufen. Damit fällt ein kontinuierlicher Nachfrageimpuls weg. In der ersten Juni-Woche kaufte BASF noch knapp 2,75 Millionen eigene Aktien zurück.

Operativ bleibt das Bild gemischt. Im Auftaktquartal sank der Umsatz auf 16,0 Milliarden Euro — rund drei Prozent weniger als im Vorjahr. Das EBITDA vor Sondereinflüssen ging ebenfalls zurück. Die zentrale Frage bleibt die globale Nachfrageerholung, allen voran in China. Der heutige Kursrückgang spiegelt strukturelle Belastungen wider, die den Konzern noch mehrere Quartale begleiten dürften.

Brenntag: Zwischen Goldman-Sog und Analysten-Lob

Brenntag leidet als direkter Sektor-Nachbar unter demselben Goldman-Schock. Allein in den letzten 30 Tagen verlor das Papier rund neun Prozent. Der Kurs rutschte zuletzt unter den 50-Tage-Durchschnitt bei 58,86 Euro — das mittelfristige Bild hat sich damit spürbar eingetrübt. Marktteilnehmer richten den Blick nun auf die langfristige Unterstützung am 200-Tage-Durchschnitt bei 52,48 Euro.

Pikant: Goldman Sachs selbst sieht bei Brenntag Potenzial. Analystin Suhasini Varanasi hob das Kursziel von 71 auf 73 Euro an und behielt die Einstufung „Buy“ bei. Die Bank traut dem Chemiedistributor sogar zu, von den Verwerfungen im Nahen Osten zu profitieren — und setzt sich damit bewusst gegen den aktuellen Abwärtstrend.

Der Markt preist Brenntag eher als defensiven Qualitätswert ein. Kurzfristig überwiegt allerdings die Sektorschwäche durch den pessimistischen Branchenreport. Seit Jahresbeginn steht immerhin noch ein Plus von gut 13 Prozent zu Buche.

Vonovia: Zinsangst drückt auf neues 12-Monats-Tief

Vonovia setzt den Abwärtstrend fort — und das hat wenig mit der Chemie-Debatte zu tun. Der Bochumer Wohnimmobilienkonzern leidet unter einem ganz eigenen Problem: den Kapitalmarktzinsen.

Wohnimmobilienkonzerne finanzieren große Portfolios langfristig über Fremdkapital. Steigen die Finanzierungskosten, schrumpft der Spielraum für Investitionen, Dividendenwachstum und Entschuldung. Meldungen über eine mögliche EZB-Zinserhöhung setzen die gesamte Branche zusätzlich unter Druck. Am 5. Juni erreichte die Aktie bei 20,20 Euro ein neues 12-Monats-Tief.

Operativ liefert Vonovia solide:

  • Das Vermietungsgeschäft zeigt sich stabil
  • Das bereinigte EBITDA im Mietsegment legte zu
  • Die Jahresziele 2026 sowie die Wachstums- und Entschuldungsziele bis 2028 wurden bestätigt

Das bereinigte EBT fiel allerdings rückläufig aus — höhere Finanzierungskosten fressen sich durch die Bilanz. Genau darin liegt das zentrale Spannungsfeld: Das operative Geschäft liefert berechenbare Erträge, die Börsenbewertung hängt jedoch am Zinsumfeld. Solange EZB-Erhöhungen im Markt eingepreist werden, dürfte die Aktie strukturell unter Druck bleiben.

Sektorrotation im DAX — Chemie vor der Bewährungsprobe

Der gestrige Handelstag offenbart eine klare Rotation: Konsumzykliker mit starken Marken und Großereignis-Fantasie gewinnen, der Chemiesektor trägt die Hauptlast. Der europäische Chemieindex hielt sich mit einem Abschlag von 0,7 Prozent noch relativ solide — seit Jahresbeginn steht sogar ein Plus von fast neun Prozent.

Für BASF und Brenntag wird entscheidend sein, ob der Markt die Goldman-Studie als temporäres Warnsignal oder strukturellen Wendepunkt einordnet. Der Q2-Quartalsbericht von BASF am 29. Juli wird zum ersten Praxistest nach Auslaufen des Rückkaufprogramms. Vonovia bleibt ein reines Zinsspiel. Und auf der Gewinnerseite stellt sich die Frage, wie lange WM-Fantasie bei Adidas und Rückkauf-Stützen bei Daimler Truck den breiten Marktgegenwind kompensieren können.

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Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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