Ein Auftritt auf einer Barclays-Konferenz reichte, um Goldman Sachs an der Börse spürbar zurückzuwerfen. Die Aktie verlor am Mittwoch vier Prozent, nachdem CEO David Solomon eine schwächere Entwicklung im Anleihe-, Währungs- und Rohstoffhandel für das dritte Quartal andeutete. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren, schließlich zählt das FICC-Geschäft zu den wichtigsten Ertragssäulen der Bank.
Uneinheitliches Bild im Handelsgeschäft
Solomon sprach von einer relativ schwächeren FICC-Performance im laufenden Quartal, betonte aber gleichzeitig ein insgesamt sehr hohes Aktivitätsniveau. Der Aktienhandel laufe dagegen weiterhin „sehr stark“.
Diese Diskrepanz zwischen den Handelssparten dürfte Investoren vor der anstehenden Quartalsvorlage aufhorchen lassen, denn sie zeigt eine ungleichmäßige Entwicklung innerhalb eines Bereichs, der zuletzt maßgeblich zum Gewinnwachstum beigetragen hat.
Hinzu kommt die Kostenseite. Solomon rechnet mit höheren Ausgaben, bedingt durch die erhöhte Kundenaktivität im Quartal. Goldman hat zudem Technologie-Investitionen beschleunigt, was die Kostenbasis zusätzlich belastet.
Wachstumswette im Growth-Equity-Geschäft
Abseits des Handelsgeschäfts bleibt Goldman Sachs auch als Kapitalgeber für Wachstumsunternehmen aktiv. Über die eigene Growth-Equity-Sparte führte die Bank kürzlich eine Finanzierungsrunde über 110 Millionen Dollar für das Fintech-Unternehmen Taktile an, das KI-gestützte Entscheidungsprozesse für Banken und Versicherungen entwickelt.
Insgesamt hat Taktile inzwischen 184 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt, zu denen neben Goldman Sachs Growth Equity auch Index Ventures, Tiger Global und Y Combinator zählen. Solche Engagements liefern zwar keine kurzfristigen Kurstreiber, unterstreichen aber die Breite des Goldman-Geschäftsmodells jenseits des klassischen Investmentbankings.
Die Aussagen aus der Barclays-Konferenz geben einen ersten Fingerzeig auf das kommende Quartalsergebnis. Ob die Schwäche im Anleihehandel durch die Stärke im Aktiengeschäft und die hohe Kundenaktivität aufgefangen wird, zeigt sich erst mit den offiziellen Zahlen zum dritten Quartal.
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