Die Fed hat geliefert, wie erwartet: Der Leitzins steigt um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Der Goldpreis reagierte prompt mit einem Rutsch auf Tagestief. Steigende Zinsen gelten als klassischer Gegenwind für das zinslose Edelmetall, doch die Reaktion könnte kurzlebiger ausfallen, als es der erste Blick vermuten lässt.
Warum die Zinserhöhung nicht automatisch fällt
Der Mechanismus ist bekannt: Wer Gold hält, verzichtet auf Zinsen. Werden Staatsanleihen attraktiver verzinst, steigen die Opportunitätskosten der Goldanlage, zusätzlich belastet oft ein stärkerer Dollar.
Die Geschichte zeichnet allerdings kein eindeutiges Bild. In zehn Zinserhöhungszyklen seit 1972 legte Gold in den zwölf Monaten nach dem ersten Zinsschritt im Schnitt um 6,1 Prozent zu, in sieben von zehn Fällen lag der Preis bereits nach drei Monaten höher.
Der Zyklus 2022/2023 zeigt das Muster besonders deutlich. Die Fed hob den Leitzins damals um insgesamt 5,25 Prozentpunkte an, Gold gab 2022 zunächst nach und schloss das Jahr mit einem Minus von rund vier Prozent. Parallel dazu kauften Zentralbanken mit 1.082 Tonnen so viel Gold wie seit Jahrzehnten nicht mehr – diese strukturelle Nachfrage stabilisierte den Preis und ebnete den Weg für die anschließende Erholung.
Strukturelle Nachfrage bleibt der Anker
Genau diese Kräfte wirken aktuell wieder. Notenbanken kauften im zweiten Quartal 2026 netto 289 Tonnen Gold, viele Schwellenländer bauen ihre Reserven gezielt aus, um die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Im August flossen zudem Milliardenbeträge in börsengehandelte Goldfonds: Europäische ETFs verzeichneten Zuflüsse von rund 7,9 Milliarden Dollar, nordamerikanische Produkte kamen auf etwa 7,8 Milliarden Dollar.
Hinzu kommen geopolitische Risiken. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, die Unsicherheit an der Straße von Hormus und Zweifel an der langfristigen Stabilität des Dollar-Systems stärken den Status von Gold als Krisenversicherung. Viele Anleger halten deshalb trotz höherer Zinsen an ihren Positionen fest.
Entscheidend dürfte weniger der heutige Zinsschritt sein als der Ausblick von Fed-Chef Kevin Warsh. Signalisiert er weitere Erhöhungen, könnten Dollar und Renditen zulegen und Gold zusätzlich belasten. Deutet er dagegen nur einen begrenzten weiteren Straffungskurs an, könnte die Unsicherheit über die Zinspolitik schwinden – während Zentralbankkäufe, ETF-Nachfrage und geopolitische Risiken als stützende Faktoren bestehen bleiben.
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