289 Tonnen. So viel Gold haben Zentralbanken weltweit im zweiten Quartal 2026 gekauft. Nach einem schwachen Jahresauftakt ist das Kauftempo der Notenbanken damit wieder auf dem hohen Niveau der vergangenen vier Jahre angekommen.
Das geht aus dem aktuellen Quartalsbericht des World Gold Council (WGC) hervor. Der Interessenverband veröffentlichte die Zahlen am Donnerstag. Sie zeigen: Der physische Goldmarkt hat sich im zweiten Quartal deutlich stabilisiert.
Polen und China kaufen, Russland verkauft
Angeführt wurde die Käuferliste von der polnischen Zentralbank. Sie stockte ihre Reserven um 51 Tonnen auf nun 632 Tonnen auf. Chinas Notenbank blieb ihrem strategischen Kurs treu und kaufte 33 Tonnen dazu — der Gesamtbestand liegt jetzt bei 2.346 Tonnen.
Einen Gegentrend setzte Russland. Die russische Notenbank verkaufte 22 Tonnen aus ihren Beständen.
Für das gesamte erste Halbjahr 2026 beziffert der WGC die globale Goldnachfrage inklusive außerbörslicher Geschäfte auf 2.522 Tonnen. Das ist ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wegen des hohen Preisniveaus erreichte der Gesamtwert der Nachfrage mit rund 380 Milliarden US-Dollar einen historischen Höchststand.
Die Investmentnachfrage nach Barren und Münzen blieb mit 307 Tonnen stabil. Gold-ETFs verzeichneten im zweiten Quartal dagegen Abflüsse von 45 Tonnen. Experten führen das auf gestiegene Zins- und Inflationserwartungen in Nordamerika zurück.
Fed bremst, Nahost treibt
Der Goldpreis liegt aktuell bei rund 4.080 US-Dollar je Feinunze. Das Edelmetall hat sich damit vom Tief bei 3.975 Dollar Mitte Juli deutlich erholt, notiert aber weiterhin gut 26 Prozent unter dem Rekordhoch vom Januar bei 5.626,80 Dollar.
Zwei gegensätzliche Kräfte ziehen am Markt. Auf der einen Seite treibt die angespannte Lage im Nahen Osten die Nachfrage nach Sicherheit. Angriffe auf die Energieinfrastruktur am Persischen Golf und Blockadedrohungen in der Straße von Hormuz stützen Gold als Krisenabsicherung.
Auf der anderen Seite bremst die US-Notenbank. Am Mittwoch beließ die Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent unverändert. Warsh signalisierte aber keinen Spielraum für baldige Lockerungen und betonte die Notwendigkeit, die Inflation konsequent zu bekämpfen. Der Markt preist nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 78 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.
PCE-Daten als nächster Test
Die kurzfristige Richtung dürfte heute von den US-Konsumausgabendaten (PCE) abhängen. Analysten erwarten für Juni eine Kern-PCE-Rate von etwa 3,4 Prozent.
Fällt der Wert höher aus, könnten anziehende Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar den Goldpreis erneut unter Druck setzen. Ein schwächeres Ergebnis würde die Zinssorgen dagegen dämpfen und den Weg Richtung 4.100 Dollar ebnen.
Technisch gilt die Zone um 4.068 Dollar als wichtiger Widerstand. Die Marke von 4.000 Dollar bildet die entscheidende Unterstützung nach unten. Trotz der Konsolidierung seit dem Januar-Hoch sehen Branchenexperten das langfristige Sentiment durch den strukturellen Bestandsaufbau der Notenbanken fundamental gestützt.
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