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Gold: Zentralbanken flüchten aus Dollar

Internationale Notenbanken planen Goldkäufe und reduzieren Dollar-Reserven. Der Goldpreis steigt trotz anhaltender Zinssorgen durch die US-Notenbank.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Zentralbanken planen Gold-Aufstockung
  • Dollar verliert als Reservewährung
  • Goldpreis steigt trotz Zinsängsten
  • Fed-Sitzung im Fokus der Märkte

Während die US-Notenbank an ihrem strafferen Kurs festhält, ziehen sich internationale Zentralbanken zunehmend vom Dollar zurück – zugunsten von Gold. Eine aktuelle Umfrage liefert dafür handfeste Zahlen und sorgt am Mittwoch für Kursgewinne beim Edelmetall, auch wenn die Aussicht auf steigende US-Zinsen die Rally bremst.

Notenbanken wetten auf Gold

Der Londoner Thinktank OMFIF hat rund 90 Institutionen befragt – darunter Zentralbanken, Pensionsfonds und Staatsfonds mit einem verwalteten Vermögen von zusammen etwa 10 Billionen Dollar. Das Ergebnis: Fast 30 Prozent der Befragten planen, ihre Goldbestände in den kommenden Jahren aufzustocken, während der Dollar an Attraktivität als Reserveaktivum verliert. Als Gründe nennen die Institutionen geopolitische Risiken und Zweifel an der Stabilität des internationalen Währungssystems.

Diese strukturelle Nachfrage trifft auf ein Umfeld, das dem Goldpreis eigentlich wenig Rückenwind gibt. Comex-Terminkontrakte für August-Lieferung kletterten am Mittwoch um 1,13 Prozent auf 4.084,10 Dollar je Feinunze, Silber legte parallel um 1,92 Prozent auf 60,255 Dollar zu.

Fed bremst die Erwartungen

Fed-Chef Kevin Warsh äußerte sich beim Notenbank-Forum der EZB im portugiesischen Sintra zwar nicht konkret zu den Zinsplänen für Juli, betonte aber, die Inflation sei nach wie vor zu hoch. Im Offenmarktausschuss plädiert inzwischen fast die Hälfte der 18 Mitglieder für eine Zinserhöhung in diesem Jahr, der Rest bevorzugt eine längere Pause.

Der Arbeitsmarkt liefert der Fed dafür Rückenwind: Die US-Wirtschaft schuf im Mai 172.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote liegt bei 4,3 Prozent. Die ADP-Daten für Juni fielen mit 98.000 neuen Jobs im Privatsektor zwar unter den Erwartungen aus, dennoch preist der Markt laut CME FedWatch nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 33,7 Prozent für eine Zinserhöhung im Juli ein – gegenüber 66,3 Prozent für eine Stagnation.

Hinzu kommt ein technisches Warnsignal: Der 50-Tage-Durchschnitt beim Gold nähert sich von oben dem 200-Tage-Durchschnitt und droht darunter zu fallen – ein sogenanntes Todeskreuz. Charttechniker weisen darauf hin, dass es sich um einen nachlaufenden Indikator ohne Prognosekraft handelt; 2017 blieb ein solches Signal folgenlos, 2023 kehrte es sich sogar rasch in ein Goldenes Kreuz um. Der eigentliche Treiber der jüngsten Schwäche bleibt die geldpolitische Straffung unter Warsh, die dem Edelmetall im zweiten Quartal den schlechtesten Dreimonats-Verlauf seit 2013 beschert hat.

Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Am Donnerstag veröffentlicht das US-Arbeitsministerium die Nonfarm-Payrolls-Daten für Juni. Sie dürften zeigen, ob der robuste Arbeitsmarkt der Fed weiter Rückendeckung für eine straffere Linie gibt – oder ob sich das Blatt zugunsten des zinslosen Edelmetalls wendet.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.