Zentralbanken und börsengehandelte Goldfonds stützen die Goldnachfrage, während Käufer von Barren, Münzen und Schmuck zurückhaltender werden. Das zeigt der heute veröffentlichte Quartalsbericht des World Gold Council (WGC). Für Anleger liegt darin eine wichtige Unterscheidung: Die Nachfrage institutioneller Käufer bleibt robust. Sie verhindert allerdings nicht, dass Zinssorgen und Liquiditätsverkäufe den Goldpreis kurzfristig belasten.
Zentralbanken kaufen deutlich mehr
Die Zentralbanken kauften im dritten Quartal 2026 netto 321 Tonnen Gold. Das entspricht einem Zuwachs von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Zugleich war es das höchste Kaufvolumen seit Ende des vorletzten Jahres.
Die Käufe dienen unter anderem der Diversifizierung von Reserven und einer geringeren Abhängigkeit vom US-Dollar. Geopolitische Risiken zählen ebenfalls zu den Motiven. Damit unterscheidet sich diese Nachfrage von kurzfristigen Positionierungen an den Finanzmärkten.
Von Januar bis September beliefen sich die Zentralbankkäufe auf 675 Tonnen. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum war das ein Plus von 6 Prozent. Der WGC erwartet, dass die Käufe im Gesamtjahr mindestens das Vorjahresniveau erreichen.
Allerdings beruht ein erheblicher Teil der Gesamtsumme auf Schätzungen. Rund zwei Drittel der ermittelten Zentralbankkäufe wurden nicht offiziell gemeldet. Die Größenordnung dokumentiert somit eine wichtige Nachfragequelle, ist aber nicht vollständig durch veröffentlichte Einzeltransaktionen abgesichert.
WGC-Chefmarktstratege John Reade zufolge könnte der Preisrückgang im Quartal zusätzliche Käufe begünstigt haben. Ein starker US-Dollar könne außerdem für Zentralbanken einen Kaufanreiz darstellen, wenn diese langfristig skeptisch auf die US-Währung blickten. Das ist eine mögliche Erklärung für die Käufe, keine Zusage weiterer Nachfrage.
Fonds wachsen, private Käufer bremsen
Physisch besicherte Gold-ETFs verzeichneten im Berichtsquartal Zuflüsse von 211 Tonnen. Ihre Bestände erreichten mit 4.256 Tonnen einen Rekord. Der Wert der Nettozuflüsse lag bei rund 31 Milliarden US-Dollar und markierte ebenfalls einen Höchststand.
Die Fondsnachfrage spricht gegen einen pauschalen Rückzug der Anleger aus Gold. Allerdings fielen die Zuflüsse geringer aus als im Vorjahresquartal. Rekordbestände und nachlassendes Wachstum können daher gleichzeitig auftreten.
Bei Barren und Münzen sank die weltweite Nachfrage um 19 Prozent auf 268 Tonnen. Das war der niedrigste Stand seit vier Jahren. Besonders deutlich fiel die Abschwächung in Indien aus.
Hinter dem globalen Rückgang stehen jedoch unterschiedliche regionale Entwicklungen. Während indische Käufer weniger Anlagegold erwarben, legte die Nachfrage in China zu. ANZ zufolge nutzten chinesische Privathaushalte niedrigere Preise zuletzt verstärkt für Goldkäufe.
Auch Schmuckkäufer hielten sich zurück: Die Nachfrage sank um 17 Prozent auf 313 Tonnen. Damit erreichte sie den niedrigsten Wert eines dritten Quartals innerhalb der WGC-Datenreihe. Die stärkeren Zentralbankkäufe gingen somit nicht mit einer ebenso breiten Belebung der Verbrauchernachfrage einher.
Insgesamt ergibt sich ein geteilter Markt. Offizielle Käufer und Fonds liefern Unterstützung, während die Nachfrage nach Schmuck und direkt gehaltenem Anlagegold schwächer ausfällt. Für die Bewertung des Berichts ist deshalb die Zusammensetzung wichtiger als die Gesamtsumme allein.
Die globale Goldnachfrage einschließlich außerbörslicher Geschäfte erreichte 1.369 Tonnen und lag damit 1 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Ihr Wert stieg dagegen um 22 Prozent. Der höhere Nachfragewert bedeutet folglich nicht, dass auch mehr Gold gekauft wurde.
Zinserwartungen begrenzen die Unterstützung
Der aktuelle Handel verdeutlicht die Grenzen der robusten institutionellen Nachfrage. Gold verliert heute -1,1% und liegt bei 3.904,20 USD je Feinunze. Damit gibt das Edelmetall einen Teil seiner gestrigen Erholung wieder ab.
Erwartungen weiterer US-Zinserhöhungen belasten das zinslose Edelmetall. Hinzu kommen Verkäufe zur Liquiditätsbeschaffung nach Verlusten bei Technologie- und KI-Aktien. Ein schwächerer Dollar wirkt dem zwar entgegen, beseitigt diese Belastungen aber nicht.
Diplomatische Fortschritte zwischen den USA und Iran ließen gestern die Ölpreise sinken und dämpften Inflationssorgen. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die heutigen US-Zwischenwahlen und weitere Arbeitsmarktdaten. Der US-Arbeitsmarktbericht ist für Freitag angekündigt.
WGC-Analystin Louise Street hält eine stabile Goldnachfrage bis Jahresende für das wahrscheinlichste Szenario. Der von Bloomberg erfasste Analystenkonsens sieht den medianen Goldpreis für das vierte Quartal bei 4.350 US-Dollar je Feinunze. Das bleibt eine Prognose, kein bereits erreichtes Preisniveau.
Der Quartalsbericht liefert damit ein Argument für die anhaltende Bedeutung von Gold als Reserve- und Anlageinstrument. Er liefert jedoch keinen Beleg für eine bereits vollzogene Preiswende. Kurzfristig stehen der institutionellen Nachfrage weiterhin Zinsrisiken und Liquiditätsbedarf gegenüber.
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