Chinas Goldnachfrage liefert ein Gegengewicht zum Verkaufsdruck am Terminmarkt. Der World Gold Council berichtet heute von weiteren Zuflüssen in chinesische Gold-ETFs Anfang Oktober und einem kräftigen Goldzukauf der Zentralbank. Damit stehen sich unterschiedliche Kräfte gegenüber: Nachfrage über Fonds und offizielle Käufe auf der einen Seite, der Abbau spekulativer Positionen auf der anderen.
Für Anleger ist diese Trennung entscheidend. Die Nachfrageentwicklung fällt nicht in allen Marktsegmenten gleich aus. Steigende ETF-Bestände schließen deshalb kurzfristigen Verkaufsdruck nicht aus. Umgekehrt bedeutet der Rückzug spekulativer Käufer nicht zwangsläufig, dass auch die Nachfrage über physisch besicherte Fonds nachlässt.
Chinas Käufe stützen die Nachfrageseite
Nach Angaben des World Gold Council meldete die chinesische Zentralbank einen monatlichen Goldzukauf von 23 Tonnen. Das war der größte Zukauf seit Oktober 2023. Parallel verzeichneten chinesische Gold-ETFs Anfang Oktober weitere Zuflüsse.
Die Meldung verbindet damit offizielle Käufe und Nachfrage über Anlageprodukte. Sie beschreibt jedoch nicht denselben Vorgang wie die Verkäufe spekulativer Fonds am Terminmarkt. Die unterschiedlichen Käufergruppen verhindern eine einfache Einordnung des gesamten Goldmarkts als einheitliche Kauf- oder Verkaufsbewegung.
Rekordbestände trotz spekulativer Verkäufe
Bereits am 9. Oktober hatte der World Gold Council für September globale Zuflüsse von 67 Tonnen in physisch besicherte Gold-ETFs gemeldet. Die weltweiten Bestände erreichten damit den Rekordwert von 4.256 Tonnen.
Dieser Bestandsaufbau bildet den Hintergrund der jüngsten chinesischen Zuflüsse. Er zeigt eine Nachfrageentwicklung über den einzelnen Handelstag hinaus. Zugleich ist der Rekordbestand kein Beleg dafür, dass alle Anlegergruppen ihre Positionen ausbauen.
Die COMEX-Netto-Long-Positionen gingen im September insgesamt um 100 Tonnen zurück. Während physisch besicherte Fonds Gold aufnahmen, sank somit die Netto-Kaufpositionierung am Terminmarkt. Genau dieser Gegensatz prägt die Einordnung der jüngsten Nachrichten.
Kurzfristiger Druck bleibt ein Gegenpol
Rohstoffstratege Ryan McKay von TD Securities erklärte gestern, spekulative Fonds hätten nach dem Scheitern an einem Widerstand Kaufpositionen abgebaut. Die überraschend hohen US-Inflationsdaten hätten den Verkaufsdruck verstärkt. Zusätzlich verwies er auf systematische Verkäufe.
Heute berichtet Reuters dagegen von einer Erholung, gestützt durch einen schwächeren US-Dollar und sinkende Treasury-Renditen. Der Goldpreis steigt um 1,3%; damit steht der Tagesbewegung wieder Unterstützung durch diese kurzfristigen Einflussfaktoren gegenüber.
Die zentrale Aussage bleibt die unterschiedliche Entwicklung der Anlegergruppen: ETF-Zuflüsse und Zentralbankkäufe stützen die Nachfrageseite, während spekulative Verkäufe den Preis belasten können. Die jüngsten Käufe sind daher ein Gegengewicht zum Verkaufsdruck, aber kein Beleg für dessen Ende.
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