Zunehmende Erwartungen einer anhaltend restriktiven Geldpolitik in den USA setzen den Goldpreis unter Druck. Gleich mehrere Analysehäuser haben ihre mittelfristigen Erwartungen für das Edelmetall nach unten korrigiert. Neben der Aussicht auf weitere Zinsschritte bremsen vor allem die Stärke der US-Währung sowie historisch hohe Renditen am US-Anleihemarkt das Aufwärtspotenzial.
Prognosesenkungen bei Wells Fargo und HSBC
Medienberichten zufolge reduzierte das Wells Fargo Investment Institute am Mittwoch seine Goldpreisprognose für das Jahresende 2027 auf eine Spanne von 5.200 bis 5.400 USD je Feinunze. Zuvor war das Institut noch von einer Zielmarke zwischen 5.400 und 5.600 USD ausgegangen. Als Begründung für den Schritt verwiesen die Experten auf anstehende Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve sowie den starken US-Dollar.
Am Donnerstag schlossen sich die Analysten von HSBC den Korrekturen an. Laut Reuters kappte die Bank ihre durchschnittliche Preisprognose für 2026 auf 4.490 USD je Unze. Zugleich senkte das Haus seine Schätzung für das Folgejahr 2027 auf 4.825 USD. Neben den geldpolitischen Straffungen nannten die Experten von HSBC auch steigende Ölpreise als Belastungsfaktor.
Die Anpassungen verdeutlichen, dass institutionelle Beobachter auf ein länger anhaltendes Hochzinsumfeld einstellen. Wenn festverzinsliche Anlagen attraktive Renditen abwerfen und die Finanzierungskosten steigen, verliert das zinslose Edelmetall bei vielen Portfolioverwaltern vorübergehend an Attraktivität.
Währung und Anleiherenditen setzen Grenzen
Am Freitag beendete Gold den Handel bei 4.144,04 USD je Feinunze, was einem Rückgang von 0,8 % entsprach. Damit notiert die Notierung unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 4.336,51 USD.
Zwar erhielt der Markt nach der Veröffentlichung schwacher US-Arbeitsmarktdaten am Freitag kurzfristig Rückenwind, als die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im September um lediglich 29.000 Stellen stieg, während Ökonomen im Schnitt 90.000 erwartet hatten. Der zwischenzeitliche Preisanstieg von mehr als einem Prozent verpuffte jedoch rasch wieder.
Laut Reuters erreichten die Renditen zehn- und 30-jähriger US-Staatsanleihen am Vortag den höchsten Stand seit 2002. Diese Entwicklung stärkte den US-Dollar und entzog der kurzzeitigen Erholung am Rohstoffmarkt unmittelbar wieder das Fundament.
Geldpolitischer Ausblick bestimmt die Richtung
Bis zur nächsten Zinsentscheidung dürften die Notierungen empfindlich auf makroökonomische Signale reagieren. Die Federal Reserve kommt am 27. und 28. Oktober zu ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung zusammen. Anleger werden bis dahin jeden Konjunktur- und Inflationsbericht genau daraufhin prüfen, ob sich der Zinserhöhungszyklus tatsächlich fortsetzt oder die Notenbank ihren Kurs lockert.
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