Vier Wochen Minus am Stück — Gold steckt in seiner schwersten Schwächephase seit Monaten. Der Preis ist in den vergangenen 30 Tagen um mehr als zehn Prozent gefallen. Was dahinter steckt, ist kein Zufall, sondern eine Kombination aus Geldpolitik, Währungsstärke und nachlassender Risikoscheu.
Fed-Wende unter neuem Chef
Am 17. Juni hielt der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh seine erste Sitzung des Offenmarktausschusses ab. Das Ergebnis überraschte die Märkte. Die Notenbank hob ihre Prognose für die Kerninflation 2026 von 2,7 auf 3,6 Prozent an. Noch wichtiger: Sie signalisierte erstmals eine mögliche Zinserhöhung — statt der zuvor erwarteten Senkung.
Das trifft Gold direkt. Höhere Zinsen machen verzinsliche Anlagen attraktiver. Gold, das keine Rendite abwirft, verliert im Vergleich. Ein stärkerer US-Dollar verstärkt diesen Effekt, weil Gold für internationale Käufer dadurch teurer wird.
Am 24. Juni rutschte der Goldpreis erstmals seit November 2025 unter die Marke von 4.000 US-Dollar. Zum Wochenschluss notiert er bei 4.103,70 US-Dollar — rund 27 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar vom Januar.
Geopolitik und ETF-Abflüsse
Neben der Geldpolitik drückt eine weitere Entwicklung auf den Preis: Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben nachgelassen. Das reduziert die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen. Gold-ETFs verzeichnen Abflüsse. Wer Gold als Absicherung gegen Krisen hält, findet aktuell weniger Anlass dazu.
Zentralbanken kaufen weiter
Ein Gegengewicht bleibt bestehen. Laut einer WGC-Umfrage vom Juni wollen 45 Prozent der befragten Zentralbanken ihre Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten aufstocken — ein Rekordwert. Im ersten Quartal 2026 kauften sie weltweit 244 Tonnen. Das entspricht fast einem Viertel der jährlichen Minenproduktion.
Diese strukturelle Nachfrage federt den Preisrückgang ab — verhindert ihn aber nicht. Goldman Sachs und die Deutsche Bank haben ihre Jahresziele für Gold bereits nach unten korrigiert. JPMorgan hält an optimistischeren Langfristzielen fest.
Der RSI liegt bei 37 — technisch nahe dem überverkauften Bereich. Entscheidend für die nächste Richtung werden die US-Inflations- und Arbeitsmarktdaten der kommenden Wochen sein. Sie bestimmen, ob die Fed ihren restriktiven Kurs verschärft oder hält.
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