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Gold: Tiefstand seit 23. März nach Inflations-Schock

Steigende US-Inflation und höhere Zinserwartungen setzen Gold unter Druck. Der Krisenbonus geopolitischer Spannungen verpufft.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Gold fällt auf tiefsten Stand seit März
  • US-Inflation steigt auf 4,2 Prozent
  • Ölpreise treiben Energieindex um 3,9 Prozent
  • Stärkerer Dollar belastet Gold zusätzlich

Geopolitische Spannungen treiben normalerweise den Goldpreis. Diesmal läuft der Mechanismus rückwärts. Die Eskalation zwischen den USA und Iran heizt die Ölpreise an — und die wiederum befeuern eine Inflation, die Gold belastet.

Am Mittwoch fiel der Spotpreis um 2,7 Prozent auf rund 4.149 Dollar je Unze. Das war der tiefste Stand seit dem 23. März. Auf Wochensicht hat Gold knapp 8 Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 4,6 Prozent. Mit einem RSI von 25 zeigt der Markt technisch überverkaufte Bedingungen an.

Inflation zwingt zur Neubewertung

Die US-Verbraucherpreise stiegen im Mai um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Jahresvergleich legte der Gesamtindex um 4,2 Prozent zu. Energie war der Haupttreiber: Der Energieindex kletterte um 3,9 Prozent und trug mehr als 60 Prozent zum monatlichen Anstieg bei.

Der Kernindex ohne Energie und Nahrungsmittel stieg um 0,2 Prozent. Im Jahresvergleich liegt er bei 2,9 Prozent. Auch Wohnkosten und Lebensmittelpreise legten zu — die Teuerung ist also breiter angelegt als nur ein Energieschock.

Für Gold ist das ein Problem. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Steigen die Zinserwartungen, konkurriert Gold stärker mit verzinslichen Anlagen. Genau das passierte am Mittwoch: Der Markt bepreiste die Möglichkeit, dass die Fed länger restriktiv bleibt.

Der ungewöhnliche Mechanismus

Normalerweise stützen Krisen im Nahen Osten den Goldpreis. Diesmal dominiert die Folgewirkung. Höhere Ölpreise bedeuten mehr Inflation. Mehr Inflation bedeutet höhere Zinsen. Höhere Zinsen bedeuten einen stärkeren Dollar. Ein stärkerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer.

Alle vier Faktoren wirkten am Mittwoch gleichzeitig gegen das Edelmetall. Der geopolitische Krisenbonus reichte nicht aus, um diesen Druck zu kompensieren.

Bereits am Dienstag hatte Gold leicht zugelegt, als Ölpreise kurz nachgaben und sich die Lage im Nahen Osten vorübergehend entspannte. Die Umkehr am Mittwoch zeigt, wie eng die Abhängigkeit vom Ölmarkt inzwischen ist.

Was als nächstes zählt

Die Mai-Inflationsdaten wurden am 10. Juni veröffentlicht. Der nächste Verbraucherpreisbericht für Juni erscheint am 14. Juli. Bis dahin bleibt Gold eng an Energiepreise, Dollar und Zinserwartungen gebunden.

Entscheidend wird sein, ob der Energiepreisanstieg in den Juni-Daten breiter in die Kerninflation durchschlägt. Passiert das, wächst der Druck auf die Fed — und damit der Gegenwind für Gold weiter.

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