Große Spekulanten ziehen sich am Goldterminmarkt zurück. Die heute veröffentlichten Auswertungen der COMEX-Positionierung zeigen einen deutlichen Abbau ihrer Netto-Kaufpositionen. Zusammen mit Verkäufen zur Deckung von Aktienverlusten erklärt das, warum Gold trotz der Suche nach sicheren Anlagen unter Druck steht. Eine kurzfristige Bodenbildung ist bislang nicht bestätigt.
Große Anleger verringern ihr Engagement
Die CFTC-Daten mit Stand vom Dienstag zeigen einen Abbau der Netto-Kaufpositionen großer Spekulanten. Gleichzeitig stieg die Zahl der offenen Kontrakte zunächst um 1,5%.
Damit traf die rückläufige Positionierung dieser Anlegergruppe zunächst auf einen wachsenden Gesamtbestand offener Geschäfte. Die Daten zeigen also keinen gleichmäßigen Rückzug aller Marktteilnehmer. Während große Spekulanten ihre Netto-Kaufpositionen reduzierten, bauten kleine Spekulanten diese aus.
Bis Freitag sank die Zahl der offenen COMEX-Kontrakte allerdings auf 400.538. Das entsprach einem Rückgang um 0,2% gegenüber der Vorwoche.
Der spätere Rückgang könnte auf eine Beruhigung des Positionsabbaus hindeuten. Als belastbarer Nachweis für einen Boden reicht er jedoch nicht aus. Die Terminmarktdaten liefern damit eher Hinweise auf veränderte Positionen als ein klares Signal für eine Trendwende.
Aktienverluste erzwingen Goldverkäufe
Neben der Positionierung belastet der Liquiditätsbedarf von Anlegern. Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch verweist auf Goldverkäufe zur Deckung von Aktienverlusten und Nachschussforderungen. Der Ausverkauf bei Technologie- und KI-Aktien könne solche Liquidationen auslösen.
Reuters berichtet ebenfalls über Nachschussforderungen nach den Technologieverkäufen. In dieser Situation dient Gold nicht allein als Absicherung: Anleger verkaufen es auch, um benötigte Liquidität zu beschaffen. Das erklärt einen Teil der Schwäche, ohne dass dafür eine grundsätzlich veränderte Einschätzung seines langfristigen Krisenschutzes nötig wäre.
Am Freitag schloss Gold bei 3.997,48 USD je Feinunze; der Wochenverlust von -4,1% unterstreicht den Verkaufsdruck.
Für eine Stabilisierung wäre deshalb nicht nur neue Nachfrage wichtig. Auch der Druck aus Verlustausgleich und Nachschussforderungen müsste nachlassen. Aus den bisherigen Positionsdaten lässt sich nicht sicher ableiten, dass dieser Prozess bereits abgeschlossen ist.
Physische Nachfrage setzt Gegengewichte
Auf der Käuferseite bleibt das Bild uneinheitlich. Laut Reuters nahmen in Indien sowohl die Goldkäufe als auch die Aufschläge zu. Die chinesische Schmucknachfrage blieb dagegen verhalten. Ein breit angelegter Nachfrageschub ist damit nicht erkennbar.
Die Saxo Bank sieht eine kurzfristige Unterstützung bei 3.970 US-Dollar je Feinunze. Erst eine Rückkehr über 4.230 US-Dollar würde nach ihrer Einschätzung bestätigen, dass die Korrektur beendet ist.
Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Unterscheidung: Eine mögliche Gegenbewegung wäre noch keine bestätigte Trendwende. Solange spekulative Käufer Positionen abbauen und andere Anleger Liquidität benötigen, steht die physische Nachfrage einem erheblichen Verkaufsdruck gegenüber.
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