Chinesische Käufer nutzen den Goldpreisrückgang für neue Käufe, während spekulative Anleger ihre Positionen abbauen. Ende Oktober strömten Verbraucher in Goldmärkte wie Shenzhen Shuibei. Das spricht für anhaltende physische Nachfrage, belegt aber noch keine Trendwende. Entscheidend bleibt, ob diese Käufe den Verkaufsdruck an den Finanzmärkten auffangen können.
Barren gefragt, Schmuck unter Druck
Die Nachfrage verschiebt sich deutlich in Richtung Geldanlage. Nach Angaben der China Gold Association stieg Chinas Verbrauch von Goldbarren und Münzen im ersten Halbjahr 2026 um 28 %. Der Schmuckverbrauch sank dagegen um 34 %.
Damit entwickeln sich die beiden wichtigen Nachfragebereiche gegenläufig. Käufe zur Vermögensanlage stützen den Markt, während das Schmuckgeschäft schwächelt. Die Käufe nach dem Preisrückgang sind deshalb nicht mit einer durchgehend starken chinesischen Goldnachfrage gleichzusetzen.
Auch die Zentralbank bleibt auf der Käuferseite. Laut World Gold Council erwarb Chinas Zentralbank im September 23 Tonnen Gold. Es war der größte Monatskauf seit Oktober 2023.
Diese Nachfrage trifft auf einen weiterhin angeschlagenen Markt. Der Schlusskurs vom Freitag von 3.875,35 USD je Feinunze zeigt, auf welchem Preisniveau physische Käufer und Verkäufer nach dem Ausverkauf aufeinandertreffen. Die Käufe aus China haben den jüngsten Rückgang bislang nicht verhindert.
Spekulative Anleger ziehen sich zurück
An den Terminmärkten verlief die Entwicklung zuletzt entgegengesetzt zu den chinesischen Käufen. Die Netto-Kaufpositionen nichtkommerzieller Händler an der COMEX gingen in den fünf Wochen bis zum 13. Oktober durchgehend zurück. Beim SPDR Gold Shares sanken die Bestände vom 30. September bis Freitag um rund 14,043 Tonnen.
Der Gegensatz ist für Anleger wichtig: Physische Käufe und sinkende spekulative Positionen können gleichzeitig auftreten. Eine rege Nachfrage nach Barren reicht daher allein nicht aus, um eine nachhaltige Erholung zu begründen. Dafür müsste auch der Druck durch den Positionsabbau nachlassen.
Gu Fengda von Guosen Futures erwartet zunächst eine Stabilisierung. Anschließend hält er eine Erholung auf 4.200 USD je Feinunze und auf 4.400 USD zum Jahresende für möglich. Einen stärkeren Einbruch verbindet er mit einer unerwartet restriktiven Neubewertung der Fed-Politik und geopolitischer Entspannung.
Das ist ein bedingtes Erholungsszenario, keine bestätigte Bodenbildung. Es setzt voraus, dass sich die maßgeblichen Belastungsfaktoren nicht weiter verschärfen.
Langfristige Absicherung, kurzfristige Risiken
Goldman Sachs empfiehlt Gold weiterhin als Portfolioabsicherung gegen globale Wachstumsrisiken 2027. Das Haus erwartet zum Ende 2027 einen Preis von 5.400 USD je Feinunze. Diese langfristige Einschätzung steht nicht im Widerspruch zu kurzfristigen Rückschlagsrisiken.
Für die nächste Handelswoche bleiben die US-Zwischenwahlen am 3. November und der Oktober-Arbeitsmarktbericht am 6. November wichtige Terminanker. Schwache Beschäftigungsdaten könnten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen dämpfen.
Chinas Käufe liefern damit ein Gegengewicht zum Positionsabbau, aber noch kein Entwarnungssignal. Für eine belastbare Erholung müssen physische Nachfrage und nachlassender Verkaufsdruck zusammenkommen. Bislang ist vor allem die erste dieser Voraussetzungen sichtbar.
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