Der Goldpreis legt am heutigen Donnerstag deutlich zu und erholt sich damit von den jüngsten Verlusten. Der Spotpreis notiert bei 4.437,66 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 4.387,23 Dollar. Auslöser der Kaufwelle sind enttäuschende Arbeitsmarktdaten aus den USA, die die Zinserwartungen der Anleger neu justieren.
Die private Beschäftigungsstatistik ADP wies für August lediglich 38.000 neue Stellen im Privatsektor aus – deutlich weniger als von Analysten erwartet, die mit rund 47.000 bis 48.000 Stellen gerechnet hatten. Es ist der schwächste Wert seit Januar.
Der schwache Datenpunkt schürt Spekulationen, dass die US-Notenbank bei ihrer Zinssitzung am 15. und 16. September weniger aggressiv agieren könnte als bisher angenommen. Nach der Veröffentlichung sank die von der CME FedWatch-Tool ermittelte Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September von zuvor bis zu 70 Prozent auf rund 60 bis 62 Prozent.
Dollar und Renditen geben nach
Der Rückgang der Zinserhöhungswahrscheinlichkeit drückte zugleich auf den Dollar und die Anleiherenditen – beides klassische Treiber für den zinslosen Goldpreis. Der Dollar-Index DXY fiel auf rund 99,40 Punkte, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei etwa 4,79 Prozent verharrte, ohne weiter zu steigen.
New-York-Fed-Präsident John Williams äußerte sich zudem, der jüngste Renditeanstieg sei nicht inflationsgetrieben – eine Aussage, die Marktteilnehmer als Signal für eine vorsichtigere Fed-Haltung interpretierten.
Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die morgen anstehenden offiziellen Beschäftigungsdaten, die sogenannten Nonfarm Payrolls. Ökonomen erwarten hier einen Zuwachs von etwa 56.000 bis 58.000 Stellen bei einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent. Fällt dieser Bericht ähnlich schwach aus wie die ADP-Zahlen, dürfte dies die Zinserwartungen weiter dämpfen und dem Goldpreis zusätzlichen Rückenwind verschaffen.
Geopolitische Risiken bleiben im Hintergrund
Neben der Zinsdebatte bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten ein Faktor für die Nachfrage nach dem Krisenmetall. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran dauert bereits sieben Monate an, mit wechselnden Eskalationsstufen bei Angriffen und Gegenangriffen.
US-Präsident Donald Trump erklärte zwar, der Krieg mit dem Iran sei „mehr oder weniger vorbei“, doch die Lage an der Straße von Hormus bleibt angespannt, was sich auch am Ölpreis ablesen lässt.
Auch auf institutioneller Ebene zeigt sich ein wachsendes Sicherheitsbedürfnis: Die niederländische Zentralbank DNB verlagerte 86 Tonnen Gold aus New York und Ottawa nach London. Damit sinkt der Anteil der niederländischen Reserven in New York von 31 Prozent auf 18,5 Prozent, in Kanada von 19,7 Prozent auf denselben Wert.
Die Notenbank begründete den Schritt mit „zunehmenden geopolitischen Unruhen“. Die Gesamtreserven der Niederlande belaufen sich auf 612,4 Tonnen mit einem Wert von 72,2 Milliarden Euro, Stand Ende 2025.
Technisch betrachtet hat sich der Goldpreis von seinem jüngsten Rückschlag deutlich erholt: Binnen 30 Tagen steht ein Plus von 8,8 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Edelmetall 2,8 Prozent im Plus. Analysten sehen bei einem nachhaltigen Ausbruch über die Marke von 4.400 Dollar weiteres Potenzial in Richtung 4.500 bis 4.700 Dollar je Feinunze – vorausgesetzt, die Fed-Zinserwartungen bleiben auf dem gedämpften Niveau.
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