Der Goldpreis gibt zum Wochenschluss nach: Am Freitag fällt die Feinunze um 1,24 Prozent auf 4.111,00 US-Dollar. Auf Sicht von 30 Tagen bleibt trotz des Rückschlags ein Plus von 1,65 Prozent stehen. Die kurzfristige Delle überdeckt jedoch eine strukturelle Nachricht, die für die längerfristige Nachfrageseite des Edelmetalls deutlich mehr Gewicht hat: den jüngsten Quartalsbericht des World Gold Council zur weltweiten Goldnachfrage.
Notenbanken auf Rekordkurs
Zentralbanken kauften im zweiten Quartal netto 289 Tonnen Gold – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie der World Gold Council mitteilt. Polen bleibt mit 51 Tonnen der größte Einzelkäufer, Chinas Notenbank kam im Quartal auf 33 Tonnen. Allein im Juni erwarb Chinas Zentralbank nach eigenen Angaben 15 Tonnen hinzu – so viel wie seit Oktober 2023 nicht mehr, was Beobachter vermuten lässt, dass die tatsächlichen Käufe noch höher liegen könnten.
Auch kleinere Reserveländer mischen kräftig mit. Die Astana Times berichtet, dass Kasachstan mit 15 Tonnen erstmals zu den vier größten Käufern des Quartals aufstieg, Usbekistan kaufte 16 Tonnen. Einer Umfrage des World Gold Council zufolge planen 45 Prozent der befragten Zentralbanken, ihre Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter aufzustocken – ein Signal, dass die Käuferseite der Notenbanken auch nach dem starken Anstieg der vergangenen Jahre nicht ausgereizt scheint.
Schmuck und Privatanleger halten sich zurück
Auf der anderen Seite der Bilanz bricht die Schmucknachfrage ein: Weltweit sank sie um 17 Prozent auf 278 Tonnen, den niedrigsten Stand seit der Pandemie. Besonders deutlich zeigt sich der Effekt in China, wo die Gesamtnachfrage um 41 Prozent auf 155 Tonnen einbrach – das schwächste zweite Quartal seit 2022. Die Schmucknachfrage dort fiel um 28 Prozent, zusätzlich flossen aus chinesischen Gold-ETFs 22 Tonnen ab.
In Indien sank die Schmucknachfrage um 15 Prozent auf 75,1 Tonnen, während der Wert der Käufe wegen der hohen Preise um 26 Prozent zulegte – Käufer griffen dort verstärkt zu leichteren Schmuckstücken. Insgesamt verzeichneten globale Gold-ETFs Abflüsse von rund 45 Tonnen, während Investoren bei Barren und Münzen weltweit 3 Prozent weniger investierten als im Vorjahr. In Indien lief das Investmentgeschäft dagegen gegen den Trend und legte zu, angetrieben durch Anleger, die auf weiter steigende Preise setzen.
Angebot, Preis und Marktumfeld
Insgesamt blieb die weltweite Goldnachfrage mit 1.269 Tonnen stabil, ihr Wert erreichte mit 380 Milliarden Dollar einen Rekord. Auf der Angebotsseite legte die Minenproduktion um 2 Prozent zu, während das Recycling um 6 Prozent nachgab. Im Schnitt lag der Goldpreis im zweiten Quartal bei 4.506 Dollar je Feinunze – 37 Prozent über dem Vorjahreswert, wenngleich der Kurs innerhalb des Quartals um 8 Prozent nachgab.
Das aktuelle Marktumfeld bleibt geprägt von geldpolitischer und geopolitischer Unsicherheit. Die US-Notenbank beließ den Leitzins am Mittwoch bei 3,5 bis 3,75 Prozent, Fed-Chef Kevin Warsh gab keine klaren Signale für den weiteren Kurs. Der Markt preist für September nur noch mit 63 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinsbewegung ein, nachdem diese Erwartung vor der Sitzung noch bei 77 Prozent lag. Der Kern-PCE-Index für Juni fiel schwächer aus als erwartet, liegt aber weiterhin über dem Zielwert der Notenbank von 2 Prozent.
Zusätzliche Nervosität liefert der Nahe Osten: Ein Drohnenangriff auf Gastanker vor der ägyptischen Stadt Damietta erhöht das Risiko für den Suezkanal, während Saudi-Arabien gemeinsam mit 14 weiteren Staaten ein Bündnis zum Schutz der Schifffahrt am Roten Meer angekündigt hat. Hinzu kommt die wachsende US-Staatsverschuldung von 39,6 Billionen Dollar. Das Congressional Budget Office rechnet für 2026 mit einem Defizit von 1,9 Billionen Dollar, was die Diskussion um Gold als Absicherung gegen fiskalische Risiken befeuert, auch wenn das Metall nach Einschätzung von Marktbeobachtern kein verlässlicher Inflationsschutz ist.
Charttechnisch bleibt das Bild uneinheitlich: Der Kurs notiert unter dem 50-Tage- wie auch dem 200-Tage-Durchschnitt, der RSI von 49,5 signalisiert weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation. Seit dem Rekordhoch im Januar hat der Preis spürbar korrigiert, notiert aber weiterhin deutlich über dem Jahrestief vom Oktober – ein Bild, das zur strukturellen Nachfragesituation aus dem Quartalsbericht passt: Notenbanken stützen, Schmuckkäufer zögern.
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