Der Dezember-Future auf Gold hat am Mittwochmorgen bei 4.195,50 Dollar je Feinunze ein Zwei-Wochen-Hoch markiert – der dritte Gewinntag in Folge. Klingt nach Aufbruchstimmung. Tatsächlich bewegt sich der Goldpreis aber seit Wochen in einer auffällig engen Spanne, während Silber ein ähnliches Bild zeigt. Diese Diskrepanz zwischen frischen Tageshochs und träger Gesamtbewegung wirft die Frage auf, was den Markt gerade wirklich antreibt.
Schwacher Dollar und Zinsfantasie als Treiber
Der Auslöser für den jüngsten Schub liegt weniger im Gold selbst als in den Erwartungen rund um die US-Geldpolitik. Hoffnungen auf eine Einigung zwischen den USA und Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus drückten die Ölpreise – WTI fiel auf 75,24 Dollar, Brent auf 78,99 Dollar. Günstigeres Öl dämpft die Inflationssorgen und damit die Wetten auf eine straffere Fed. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September sank von 67 auf 57 Prozent, während der Dollarindex auf rund 99,93 nachgab. Ein schwächerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger und verschafft dem Metall zusätzlichen Rückenwind.
Warum die große Bewegung ausbleibt
Der Markt handelt derzeit weniger die geopolitische Lage selbst als deren Nebenwirkungen auf die Inflationserwartung. Am Dienstag zeigte sich das exemplarisch: Gold sprang zunächst deutlich zu, gab den Großteil der Gewinne im späteren US-Handel aber wieder ab. Diese Muster – kurzer Ausschlag, schnelle Rücknahme – erklären, warum die Volatilität über Wochen hinweg gedämpft bleibt, obwohl einzelne Handelstage durchaus Bewegung zeigen.
Investoren dürften nun genau auf die anstehenden US-Arbeitsmarktdaten schauen. Der ADP-Bericht wird am Nachmittag um 14:15 Uhr erwartet, Analysten rechnen mit einem Rückgang der neu geschaffenen Stellen auf 70.000 nach zuvor 98.000. Fällt die Zahl schwächer aus als erwartet, dürfte das die Zinssenkungshoffnungen weiter nähren und Gold zusätzlichen Auftrieb geben – bleibt sie stark, könnte die aktuelle Lethargie schnell wieder zurückkehren.
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