China kauft Gold wie seit Jahren nicht mehr. Die People’s Bank of China stockte ihre Reserven im Juni um rund 480.000 Feinunzen auf – der stärkste Monatszuwachs seit Oktober 2023. Der Goldpreis reagiert darauf kaum. Genau dieser Widerspruch treibt den Markt gerade um.
Chinas Notenbank kauft den 20. Monat in Folge
Die PBOC hat ihre Goldreserven bereits den 20. Monat in Folge erhöht. Der Juni-Zukauf markiert dabei den größten Sprung seit über zweieinhalb Jahren. Trotzdem bewegt sich der Kurs kaum vom Fleck.
China steht mit dieser Strategie nicht allein da. Laut einer Juni-Umfrage des World Gold Council wollen 45 Prozent der befragten Zentralbanken ihre Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter ausbauen. Das ist ein Rekordwert. Noch deutlicher fällt die Erwartungshaltung aus: 89 Prozent der Notenbanken rechnen damit, dass die weltweiten Goldreserven insgesamt steigen.
Diese Entwicklung ist kein kurzfristiges Phänomen. Seit vier Jahren kaufen Zentralbanken im Schnitt rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. Im Jahrzehnt davor waren es nur etwa 500 Tonnen. Geopolitische Unsicherheit, die Diversifizierung von Währungsreserven und der schrittweise Abschied vom US-Dollar treiben diesen Trend an.
Die Fed bremst den Kurzfristmarkt
Trotz der starken offiziellen Nachfrage dominieren derzeit andere Kräfte das Preisgeschehen. Die US-Notenbank sorgt mit ihrer Zinspolitik für Gegenwind. Höhere Anleiherenditen und ein robuster Dollar erhöhen die Opportunitätskosten von Gold. Das bremst die Nachfrage vieler Finanzinvestoren spürbar.
Die geopolitische Lage im Nahen Osten verschärft diesen Effekt zusätzlich. Der Iran-Konflikt schürt Inflationsrisiken. Das nährt die Erwartung einer länger restriktiven Fed. Gewinnmitnahmen nach der starken Rally und eine verhaltene ETF-Nachfrage setzen den Kurs zusätzlich unter Druck.
Der aktuelle Kurs spiegelt diese Gemengelage wider. Gold schloss gestern bei 4.136,90 US-Dollar je Feinunze. Das liegt 26,48 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar vom 29. Januar. Auf Jahressicht steht ein Minus von 4,72 Prozent zu Buche.
Der Blick auf die technischen Marken zeigt eine angeschlagene Verfassung. Der Kurs notiert 5,46 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 8,86 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI liegt bei 44,6 – weder überkauft noch überverkauft. Die Volatilität bleibt mit 27,19 Prozent auf 30-Tage-Sicht hoch.
Zwei Marktkräfte, ein Widerspruch
Der Goldmarkt zerfällt aktuell in zwei Lager. Notenbanken stützen den Markt strukturell und kaufen antizyklisch – sie nutzen Kursrückgänge gezielt für Zukäufe. Kurzfristig orientierte Anleger reagieren dagegen vor allem auf Zinserwartungen und Dollarbewegungen.
Diese Diskrepanz zwischen physischer und spekulativer Nachfrage erklärt die aktuelle Kursstarre. Während die eine Seite kauft, verkauft die andere. Das Ergebnis: ein Markt, der trotz Rekordnachfrage der Zentralbanken nicht vom Fleck kommt.
Der nächste World-Gold-Council-Bericht zu den Juli-Käufen wird zeigen, ob China sein Tempo trotz der Kursschwäche hält. Bleibt die Nachfrage der Notenbanken auf diesem Niveau, dürfte sie langfristig zum entscheidenden Gegengewicht zur Fed-Politik werden.
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