Steigende Ölpreise drücken den Goldkurs – ausgerechnet dann, wenn geopolitische Spannungen sonst für Rückenwind sorgen. Der Grund: Teurere Energie schürt Inflationssorgen. Das stärkt die Wette auf eine länger straffe US-Geldpolitik und belastet zinslose Anlagen wie Gold.
Am Freitag schloss Gold bei 4.055,70 Dollar je Feinunze und stabilisierte sich nach der Talfahrt vom Vortag.
Nahost-Konflikt treibt Ölpreis
US-Präsident Donald Trump warnte vor einer Ausweitung militärischer Maßnahmen gegen den Iran. Er kündigte an, Teheran für künftige Houthi-Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer zur Verantwortung zu ziehen. Die Ankündigung hob den Brent-Ölpreis erstmals seit Mai über 100 Dollar je Barrel.
Höhere Energiepreise nähren Inflationssorgen. Das stützt die Erwartung, dass die Federal Reserve die Zinsen länger hoch hält. Die Märkte preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 34 Prozent für eine Zinserhöhung in der kommenden Woche ein. Für September liegt die Wahrscheinlichkeit bereits bei über 81 Prozent.
Hinzu kommen neue US-Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe wichtiger Handelspartner. Der unsichere Handelsrahmen verstärkt die Zurückhaltung der Anleger.
Nachfrage in Asien uneinheitlich
Die physische Nachfrage zeigt sich regional gespalten. In Indien weiteten sich die Goldabschläge auf ein Sieben-Wochen-Hoch aus – die hohen Preise dämpfen dort die Nachfrage. In China verbesserte sich das Kaufinteresse dagegen spürbar.
Trotz der jüngsten Schwäche bleibt die Wochenbilanz positiv. Gold steuert weiterhin auf einen moderaten Wochengewinn zu. Auf Monatssicht steht ein Plus von 0,98 Prozent zu Buche, auch wenn der Kurs seit Jahresbeginn noch 6,40 Prozent im Minus liegt.
Fed-Entscheidung und Bankprognosen im Blick
Die kommende Woche dürfte richtungsweisend werden. Am 28. Juli steht der wöchentliche ADP-Beschäftigungsbericht an, am 29. Juli folgt die Fed-Zinsentscheidung. Am 30. Juli veröffentlichen die USA das BIP für das zweite Quartal sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Den Abschluss bilden am 31. Juli der Chicago-PMI und die Inflationserwartungen der University of Michigan.
Vor der Fed-Sitzung erwarten die meisten Marktteilnehmer unveränderte Zinsen. Der Markt preist aber weiterhin eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent für eine Anhebung im September ein. Die EZB beließ ihre Zinsen am Donnerstag bereits unverändert und ließ die Tür für eine Erhöhung im September offen.
Charttechnisch bleibt die Zone zwischen 3.900 und 4.100 Dollar entscheidend. Solange Gold diese Unterstützung verteidigt, bleibt das übergeordnete Bild konstruktiv. Analysten verweisen zudem auf eine mögliche Reaktion an der oberen Begrenzung, sollte sich die geopolitische Lage entspannen.
Mittelfristig bleiben die Einschätzungen der großen Banken gemischt. Goldman Sachs, HSBC, J.P. Morgan und StoneX haben ihre Goldpreisprognosen für Ende 2026 zuletzt gesenkt. Die neue Spanne reicht von 4.000 bis 4.900 Dollar je Feinunze – Grund ist die Erwartung, dass die Fed 2026 kaum Zinssenkungen vornimmt.
Für die kommende Woche zählt vor allem das Zusammenspiel aus Fed-Entscheidung, Konjunkturdaten und der Entwicklung im Nahost-Konflikt. Hält Gold die Marke von 4.000 Dollar, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend intakt.
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