Die Erholung der Ölpreise setzt Gold heute unter Druck. Höhere Energiekosten schüren erneut Inflationssorgen und stärken die Erwartung länger hoher US-Zinsen. Damit gerät ein wichtiger Treiber der Erholung nach den US-Zwischenwahlen ins Wanken: die Hoffnung auf nachlassenden Preisdruck. Zugleich belasten ein stärkerer Dollar und Goldverkäufe zur Deckung von Verlusten am Aktienmarkt.
Ölpreiserholung bremst die Entspannungshoffnung
Reuters berichtet heute von steigenden Ölpreisen und neuen Sorgen über die Folgen höherer Energiekosten. Im Wochenverlauf hatten Anleger noch auf eine mögliche Entspannung im Iran-Konflikt gesetzt. Nach dem Wahlsieg der Demokraten verbanden sie damit auch die Aussicht auf begrenzte Fiskalausgaben und geringeren Inflationsdruck.
Diese Erwartungen hatten den Dollar und die US-Anleiherenditen gedrückt und Gold gestützt. Heute wirkt die Gegenbewegung beim Öl in die andere Richtung. Für eine Fortsetzung der Erholung spricht die Aussicht auf nachlassenden Zinsdruck, sofern die Energiepreise die Inflationserwartungen nicht erneut antreiben.
Der Spotpreis liegt zum Tagesschluss bei 4.045,76 USD je Feinunze. Die Tagesveränderung von -1,0% spiegelt den erneuten Verkaufsdruck wider.
Aktienverluste erzwingen Goldverkäufe
Zusätzlich belastet der Ausverkauf an den Aktienmärkten das Edelmetall. Anleger verkauften Gold teilweise zur Deckung von Verlusten und Nachschussforderungen. Der Liquiditätsbedarf trifft damit auch eine Anlage, die zugleich von sinkenden Anleiherenditen profitieren konnte.
Die Aktienmarktturbulenzen wirken folglich über zwei gegenläufige Kanäle auf Gold. Die Flucht in sichere Anlagen drückte die Renditen und lieferte Unterstützung. Gleichzeitig führten notwendige Mittelbeschaffungen zu Verkäufen von Edelmetallen. Solange dieser Liquiditätsdruck anhält, bleibt die Erholung anfällig für weitere Rückschläge.
Trotz der heutigen Belastungen beträgt der Zuwachs über sieben Tage 4,4%. Die Erholung nach der Wahl hat damit weiterhin Bestand, steht aber unter dem Vorbehalt der erneuten Inflations- und Zinssorgen.
Zentralbankkäufe liefern ein Gegengewicht
Auf der Nachfrageseite bleiben Zentralbanken eine Stütze. Nach Angaben des World Gold Council beschleunigten sie ihre Käufe zuletzt deutlich. Zugleich verzeichneten börsengehandelte Goldfonds Zuflüsse. Dem standen eine schwächere Schmucknachfrage und rückläufige Käufe von Barren und Münzen gegenüber.
Goldman Sachs reagierte gestern dennoch mit einer niedrigeren Prognose. Die Bank senkte ihr Goldpreisziel für Ende 2026 von 4.650 auf 4.150 US-Dollar je Feinunze. Sie verweist auf eine erwartete restriktivere US-Geldpolitik, während Zentralbankkäufe weiterhin Unterstützung liefern dürften.
Für Anleger entscheidet sich die Tragfähigkeit der Erholung damit am Zusammenspiel von Energiepreisen, Zinserwartungen und Liquiditätsbedarf. Die starke institutionelle Nachfrage spricht für Gold, sofern steigende Zinsen und weitere liquiditätsbedingte Verkäufe diese Unterstützung nicht überlagern.
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