Sonst ist es der Zinsausblick, der den Goldpreis bewegt. Diese Woche hat ein anderer Faktor das Kommando übernommen: der Ölpreis. Die Feinunze rutschte zeitweise auf 4.262 Dollar, bevor sie einen Teil der Verluste wieder aufholte und sich bei 4.295 Dollar einpendelte — ein Rückgang von 0,12 Prozent gegenüber dem Vortag.
Saudischer Pipeline-Ausfall treibt Ölpreise
Auslöser der Nervosität ist ein Angriff Iran-naher Huthi-Milizen auf eine zentrale saudische Ost-West-Pipeline. Die Route transportierte zuletzt zwischen 2,6 und 4 Millionen Barrel Öl täglich und dürfte laut Angaben aus der Region für drei bis fünf Wochen ausfallen.
Ein möglicher Ausfall von bis zu vier Prozent der globalen Ölversorgung schürt Inflationssorgen — und genau das setzt Gold unter Druck, obwohl das Edelmetall traditionell als Absicherung gegen steigende Preise gilt.
Der Mechanismus dahinter ist simpel: Höhere Energiepreise erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank an diesem Mittwoch die Leitzinsen anhebt. An den Terminmärkten wird eine Zinserhöhung inzwischen zu über 90 Prozent eingepreist, vor einer Woche lag die Wahrscheinlichkeit noch bei rund 59 Prozent.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte im Zuge dessen über die Marke von 5 Prozent — den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Da Gold keine Zinsen abwirft, verliert es in einem solchen Umfeld an relativer Attraktivität.
Warum Gold trotzdem nicht einbricht
Bemerkenswert ist, dass sich die Verluste bislang in Grenzen halten. Commerzbank-Volkswirtin Thu Lan Nguyen verweist auf fiskalische Sorgen und wachsende politische Risiken in den USA als möglichen Gegenpol.
Der anhaltende Druck von Präsident Donald Trump auf die Fed-Unabhängigkeit — verbunden mit Forderungen nach Zinssenkungen und Drohungen mit neuen Handelsbeschränkungen — könnte die relative Stärke des Edelmetalls erklären.
Charttechnisch bleibt Gold indes angeschlagen: Solange der Kurs unter dem 100- und 200-Tage-Durchschnitt notiert, bleibt der Ausblick fragil. Ende August hatte die Feinunze noch bei knapp 5.000 Dollar gelegen.
Die Fed-Entscheidung am Mittwoch dürfte die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben. Bestätigt die Notenbank die eingepreiste Zinserhöhung und liefert zugleich einen restriktiven Ausblick über die aktualisierten Wirtschaftsprognosen, dürfte Gold weiter unter Druck geraten. Sollten die Projektionen dagegen vorsichtiger ausfallen als erwartet, hätte das Edelmetall Raum für eine Erholung.
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