Der Goldpreis konsolidiert am Wochenende knapp unter seinem jüngsten Hoch, doch die eigentliche Geschichte spielt sich abseits der Tagescharts ab: Notenbanken weltweit kaufen so viel Gold wie nie zuvor in einem zweiten Quartal.
Laut Angaben des World Gold Council erwarben Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 netto 289 Tonnen – ein Rekordwert für diesen Zeitraum. Zum Vergleich musste der Council seine ursprüngliche Schätzung für das erste Quartal deutlich nach unten korrigieren, von 244 auf nur noch 57 Tonnen. Der Sprung im zweiten Quartal fällt damit umso deutlicher aus.
Die polnische Notenbank liefert dafür ein konkretes Beispiel: Die Narodowy Bank Polski stockte ihre Bestände im Juli um 7,8 Tonnen auf insgesamt 640,2 Tonnen auf und plant nach eigenen Angaben eine weitere Aufstockung auf 700 Tonnen. Damit reiht sich Polen in einen Trend ein, der laut einer Umfrage des World Gold Council breit geteilt wird: 45 Prozent der befragten Zentralbankmanager wollen ihre Goldreserven binnen zwölf Monaten erhöhen, 89 Prozent rechnen mit steigenden weltweiten offiziellen Reserven.
Private Nachfrage zieht nach
Auch abseits der Notenbanken wächst der Appetit auf physisches Gold. Der Stablecoin-Emittent Tether kaufte im zweiten Quartal 2026 in größerem Umfang physisches Gold zur Diversifizierung seiner Reserven und als Absicherung gegen Inflation – ein Signal, dass auch Akteure aus der Kryptobranche verstärkt auf das Edelmetall setzen.
Die weltweite Goldnachfrage summierte sich im ersten Halbjahr 2026 laut World Gold Council auf 2.522 Tonnen, ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Bemerkenswert ist die Verschiebung innerhalb der Nachfrage: Während Barren und Münzen im ersten Quartal um 42 Prozent auf 474 Tonnen zulegten, brach die Schmucknachfrage um 23 Prozent ein. Anleger und Sparer verdrängen damit zunehmend den klassischen Konsumenten als Nachfragetreiber.
Geopolitische Risiken liefern zusätzlichen Rückenwind. Der Bergbaukonzern Ferrexpo musste den Betrieb seiner Anlagen einstellen, nachdem russische Angriffe die Schwarzmeer-Exportrouten des Unternehmens beeinträchtigt hatten. Parallel belastet der anhaltende militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Straße von Hormus die Ölmärkte und stützt zugleich die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen.
Marktstruktur signalisiert Zuversicht
Am Terminmarkt zeigt sich ein deutlicher Stimmungswandel. Marktbeobachter melden eine Umschichtung von Absicherungspositionen hin zu spekulativen Kaufpositionen mit Laufzeiten bis November – ein Zeichen, dass Trader weiter steigende Notierungen erwarten.
Gestützt wird diese Erwartung von der geldpolitischen Unsicherheit in den USA: Der seit Mai amtierende Fed-Chef Kevin Warsh verzichtet auf konkrete Forward Guidance und lässt trotz Inflationsdrucks konkrete Zinsschritte vermissen, was Anleger zusätzlich in Gold treibt.
Am Markt selbst zeigt sich diese Gemengelage in robusten Zahlen: Der Goldpreis schloss am Freitag bei 4.661,60 Dollar, nach einem Plus von 1,9 Prozent auf Tagessicht und einem Zuwachs von 5,2 Prozent innerhalb einer Woche.
Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Anstieg von 13 Prozent zu Buche. Vom Rekordhoch bei 5.586,20 Dollar aus Ende Januar bleibt der Kurs zwar noch 17 Prozent entfernt, gegenüber dem Jahrestief von August liegt er jedoch 40 Prozent höher.
Die strukturellen Nachfragetreiber – Notenbankkäufe, private Absicherung und geopolitische Risiken – dürften den Goldpreis nach Einschätzung von Marktbeobachtern auch über den aktuellen Kurszyklus hinaus stützen. Für Anleger bleibt entscheidend, ob die Zentralbanken ihr Kauftempo aus dem zweiten Quartal in den kommenden Berichtsperioden bestätigen.
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