Gold hat sich nach dem kräftigen Rücksetzer zu Wochenbeginn wieder stabilisiert. Am Donnerstag legte der Preis um 2,0 Prozent zu, nachdem Dollar und US-Anleiherenditen nachgaben. Der Anstieg folgt auf turbulente Tage, in denen Aussagen des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh die Zinserwartungen kräftig nach oben geschraubt hatten.
Warsh-Kommentare lösten Verkaufswelle aus
Am 1. September war Gold noch um 2,86 Prozent auf 4.325 US-Dollar je Feinunze gefallen, Silber verlor sogar 3,73 Prozent auf 64,13 Dollar. Auslöser waren Äußerungen Warshs, wonach die Fed bei der Inflationsbekämpfung noch „Arbeit zu erledigen“ habe.
Bereits am 28. August hatte eine ähnliche Andeutung Warshs den Goldpreis um rund 3 Prozent einbrechen lassen. Die Markterwartung für eine Zinserhöhung im September kletterte binnen einer Woche von 40 auf 66 Prozent – ein Umschwung, der die Attraktivität des zinslosen Edelmetalls kurzfristig schmälerte.
Trotz dieser Belastung zeigen institutionelle Anleger kein Zeichen der Nervosität. Der größte Gold-ETF, SPDR Gold Shares, meldete zum 2. September Bestände von 1.056,62 Tonnen – ein Plus von 11,13 Tonnen gegenüber der Vorwoche und bereits die siebte Woche in Folge mit steigenden Zuflüssen. Diese Beständigkeit deutet darauf hin, dass viele Investoren die Zinsdebatte als kurzfristiges Rauschen einordnen und strategisch am Edelmetall festhalten.
Zentralbanken bleiben strukturelle Käufer
Der langfristige Nachfragetreiber bleibt jedoch die Zentralbankseite. Im zweiten Quartal 2026 kauften Notenbanken weltweit 288,9 Tonnen Gold, ein Anstieg von 62,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 177,9 Tonnen.
Bereits im Mai hatten Polen mit 18 Tonnen, China mit 10 Tonnen sowie Usbekistan und Kasachstan mit 9 beziehungsweise 7 Tonnen ihre Reserven ausgebaut. Eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken ergab im Juni, dass 45 Prozent der Befragten weitere Käufe planen – der höchste seit 2018 erfasste Anteil, wie Bloomberg berichtete.
Nicht alle Notenbanken bauen ihre Bestände aus: Russland reduzierte seine Reserven in den ersten beiden Monaten des Jahres um 15,5 Tonnen, um fiskalische Anforderungen unter Sanktionsdruck zu bedienen.
Für das Gesamtjahr 2025 fiel die Bilanz der offiziellen Käufe mit 863 Tonnen zwar um 21 Prozent niedriger aus als 2024, lag aber weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt vor 2022. Parallel erreichte die weltweite Goldnachfrage 2025 mit 5.002,3 Tonnen einen Rekordwert, wobei der Investmentsektor mit 2.175,3 Tonnen erstmals zum größten Nachfragesegment wurde.
Logistik als Nebenschauplatz
Neben der reinen Preis- und Nachfrageentwicklung sorgt auch die physische Lagerung von Gold für Schlagzeilen: Die niederländische Zentralbank verlagerte in den vergangenen sechs Monaten 86 Tonnen Gold von New York und Ottawa nach London, um die Handhabbarkeit der Reserven zu verbessern und die Krisenbereitschaft zu stärken.
Solche Transfers gelten als Signal, dass Notenbanken ihre Goldbestände zunehmend als strategisches Instrument begreifen – unabhängig von kurzfristigen Zinsdebatten.
Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Kurzfristig dominiert die Zinspolitik der Fed die Preisrichtung, mittelfristig stützen anhaltende ETF-Zuflüsse und der strukturelle Kaufappetit der Zentralbanken den Goldpreis.
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