Zwei Kräfte ziehen aktuell an Gold in entgegengesetzte Richtungen. Die Spannungen um die Straße von Hormus treiben Anleger in sichere Häfen. Steigende US-Anleiherenditen wirken dagegen wie ein Bremsklotz. Am Freitag schloss das Edelmetall bei 4.432,00 US-Dollar.
Nahost-Spannungen treiben die Nachfrage nach sicheren Häfen
Die Lage in der Straße von Hormus bleibt der stärkste Preistreiber für Gold. Die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran hat den Ölpreis auf 82,38 US-Dollar je Barrel getrieben. Das entspricht einem Wochenplus von rund 6,9 Prozent.
Das US-Finanzministerium kündigt zusätzlich schärfere Sanktionen gegen Teheran an. Weitreichende Blockaden sollen den wirtschaftlichen Druck auf den Iran erhöhen. Diese Eskalation verstärkt die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen.
Die geopolitische Prämie wirkt derzeit wie ein Puffer gegen den Gegenwind vom Rentenmarkt. Berichte über eine stockende Diplomatie im Golf-Konflikt stützten Gold in der vergangenen Woche. Das galt trotz eines erstarkenden US-Dollars.
US-Renditen und die Warsh-Fed im Fokus
Belastend wirkte am Freitag der Anstieg der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,70 Prozent. Höhere Renditen erhöhen die Opportunitätskosten für Gold. Das zinslose Edelmetall tritt damit in direkte Konkurrenz zu festverzinslichen Wertpapieren.
Die Marktstimmung hängt stark von den Erwartungen an die Federal Reserve unter Kevin Warsh ab. Anleger richten den Blick nun auf das Jackson Hole Symposium in der kommenden Woche. Dort erwarten Analysten wegweisende Aussagen zur künftigen Zinspolitik.
Das CME FedWatch Tool zeigt: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September ist auf etwa 31 Prozent gesunken. Schwächere Arbeitsmarktdaten und eine Inflation von 3,4 Prozent nehmen der Notenbank etwas Druck.
Zentralbanken kaufen Rekordmengen
Strukturelle Unterstützung erhält Gold durch anhaltende Käufe der Notenbanken. Der World Gold Council registrierte im zweiten Quartal 2026 einen Rekordwert von 288,9 Tonnen. Das entspricht einem Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Vor allem Schwellenländer diversifizieren ihre Reserven strategisch weg vom Dollar. Diese Käufe bilden eine stabile Preisuntergrenze für Gold.
Die London Bullion Market Association hat ihre Prognose für das Jahresende präzisiert. Der Konsens der befragten Analysten liegt nun bei einem Durchschnittspreis von rund 4.500 US-Dollar. Die optimistischsten Schätzungen reichen bis auf 5.100 US-Dollar.
Charttechnik: Rekordhoch bleibt fern
Trotz der jüngsten Rally liegt Gold noch immer 21 Prozent unter seinem Rekordhoch aus dem Januar. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 33 Prozent zu Buche. Der Aufwärtstrend bleibt intakt, auch wenn das alte Hoch vorerst außer Reichweite liegt.
Die kommende Woche liefert gleich zwei wichtige Impulse. Am Donnerstag stehen die US-Einkaufsmanagerindizes an. Parallel dazu richten sich alle Blicke auf die Reden beim Jackson Hole Symposium – dort dürfte sich entscheiden, ob die Zinserwartungen den geopolitischen Rückenwind für Gold ausbremsen.
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