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Gold: Liquiditäts-Zwang?

Goldman Sachs führt den Rückgang auf Liquiditätsverkäufe zurück und bestätigt sein Preisziel für Ende 2027.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Verkaufsdruck seit 22. September: 19,5 Milliarden Dollar
  • Rund 95 Prozent von sonstigen Marktteilnehmern
  • Goldman Sachs bestätigt 5.400-Dollar-Ziel für Ende 2027
  • 3.850 Dollar gelten als nächste Unterstützung

Goldman Sachs sieht hinter dem jüngsten Goldpreisrückgang vor allem den Liquiditätsbedarf großer Anleger. Nach Angaben von Analyst Robert Quinn summierte sich der Verkaufsdruck am Gold-Futuresmarkt seit dem 22. September auf 19,5 Milliarden US-Dollar. Die Bank hält dennoch an ihrem langfristig positiven Ausblick fest.

Für Anleger ist diese Unterscheidung entscheidend: Verkäufe zur Geldbeschaffung bedeuten nicht zwangsläufig, dass die langfristigen Kaufargumente verschwinden. Sie können deren Wirkung kurzfristig allerdings überlagern. Genau dieses Spannungsfeld prägt nach Einschätzung der Bank derzeit den Goldmarkt.

Große Halter bestimmen den Verkaufsdruck

Laut Quinn entfielen rund 95 Prozent der erfassten Verkäufe auf die Positionskategorie „sonstige und nicht meldepflichtige Marktteilnehmer“. Hedgefonds seien damit nicht die Haupttreiber des Ausverkaufs gewesen. Zudem habe sich der Verkaufsdruck zuletzt beschleunigt.

Ein Teil staatlicher Anleger verkaufe Gold, um Liquidität zu beschaffen. Diese Verkäufe verliefen schneller als die Käufe der Zentralbanken und hätten deren stützende Wirkung kurzfristig ausgeglichen. Staatliche Verkäufer und kaufende Notenbanken wirken damit in entgegengesetzte Richtungen. Die Nachfrage allein reicht unter diesen Bedingungen nicht aus, um den Preis zu stabilisieren.

Auch TD Securities deutet den jüngsten Rückgang eher als Folge von Liquiditätsdruck und dem Abbau gehebelter Positionen. Ryan McKay und Bart Melek sehen darin keine grundlegende Veränderung ihres langfristig positiven Ausblicks. Als der Ausverkauf bei Technologiewerten nachließ, habe sich auch Gold stabilisiert.

Nach ihrer Einschätzung blieben sowohl die Abflüsse aus Gold-ETFs als auch Anschlussverkäufe aus Asien begrenzt. Zugleich habe sich die modellierte Hebelwirkung systematischer Fonds verringert. Das spricht aus ihrer Sicht eher für einen Abbau von Risiken als für eine breite Abkehr vom Edelmetall.

Langfristiges Ziel bleibt trotz Verkaufswelle

Das Research-Team von Goldman Sachs bestätigt sein Goldpreisziel von 5.400 US-Dollar je Feinunze für Ende 2027. Als wesentlichen Treiber nennt die Bank weiterhin die Käufe der Zentralbanken. Auch die Abkehr vom US-Dollar bleibt aus ihrer Sicht eine langfristige Stütze.

Damit trennt Goldman ausdrücklich zwischen kurzfristigen Kapitalströmen und längerfristiger Nachfrage. Das unveränderte Ziel ist keine Aussage darüber, wann der aktuelle Verkaufsdruck endet. Solange große Halter Liquidität benötigen, können weitere Verkäufe die strukturellen Kaufargumente in den Hintergrund drängen.

Für eine belastbare Erholung wäre deshalb nicht nur zusätzliche Nachfrage hilfreich. Auch das Tempo der Verkäufe müsste nachlassen. Die Einschätzungen beider Häuser liefern eine Erklärung für den Rückgang, aber noch keinen Beleg für eine abgeschlossene Bodenbildung.

Unterstützung und US-Termine im Blick

Der Goldman-Handelstisch betrachtet 3.850 US-Dollar je Feinunze als nächste wichtige Unterstützung. Diese Einschätzung könnte noch angepasst werden. Der aktuelle Spotpreis von 3.943,08 USD liegt darüber; allein dieser Abstand bestätigt jedoch keine Trendwende.

Zusätzliche Entlastung brachten heute sinkende Ölpreise im Zuge diplomatischer Bemühungen zwischen den USA und Iran. Dem stehen weiterhin Erwartungen höherer US-Zinsen gegenüber. Damit bleibt die Erholung neben den Verkäufen großer Anleger auch von Energiepreisen und geldpolitischen Erwartungen abhängig.

Die nächsten Terminanker sind die US-Zwischenwahlen am 3. November und der US-Arbeitsmarktbericht am 6. November. Für Goldanleger steht dabei im Mittelpunkt, ob neue Impulse den Liquiditätsdruck abschwächen oder den Zinsgegenwind verstärken. Erst nachlassende Verkäufe würden der langfristig erwarteten Nachfrage mehr Raum geben.

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Diskussion zu Gold

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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