Gold zeigt sich in diesen Tagen zerrissen zwischen zwei Kräften: Auf der einen Seite ein robuster physischer Kauftrend der Notenbanken, auf der anderen Seite ein starker Dollar und steigende US-Renditen, die dem Preis kurzfristig zusetzen. Diese Gegensätzlichkeit erklärt, warum der Goldpreis zuletzt kräftig schwankte, ohne eine klare Richtung zu finden.
Notenbanken kaufen so viel wie nie
Der World Gold Council hatte Ende August eine Auswertung veröffentlicht, wonach Zentralbanken im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold gekauft haben – ein Rekordquartal. Dieser strukturelle Nachfragetreiber wirkt im Hintergrund fort und bildet das fundamentale Fundament, auf dem die kurzfristigen Kursausschläge der vergangenen Woche stattfinden.
Auch die Europäische Zentralbank wies zuletzt einen leicht gestiegenen Goldbestand in ihrer Bilanz aus, ein Detail, das die anhaltende offizielle Nachfrage unterstreicht.
Dollar und Renditen bremsen kurzfristig
Reuters berichtete, dass Gold am Dienstag auf ein Zwei-Wochen-Tief gefallen sei, weil höhere US-Treasury-Renditen und ein stärkerer Dollar die Nachfrage belasteten – Spotgold sackte damals um 2,69 Prozent auf 4.328,60 Dollar je Unze ab.
Am Mittwoch setzte sich der Abwärtsdruck zunächst fort, Gold fiel laut Reuters auf ein Mehr-Wochen-Tief und rutschte zeitweise auf 4.323,59 Dollar, das niedrigste Niveau seit dem 7. August. Noch am selben Tag drehte der Preis jedoch: Nachgebende US-Renditen und ein stärkerer Yen gegenüber dem Dollar verhalfen Spotgold zu einem Sprung um 1,33 Prozent auf 4.386,29 Dollar.
Diese schnelle Kehrtwende zeigt, wie empfindlich Gold derzeit auf Zins- und Devisensignale reagiert. Eine Rede des Fed-Vertreters Kevin Warsh hatte bereits am Wochenende zuvor für Bewegung gesorgt: Der Preis fiel im Zuge der Rede von rund 4.630 auf 4.450 Dollar und rutschte später sogar bis auf 4.285 Dollar, bevor er sich auf etwa 4.425 Dollar stabilisierte.
Blick auf die aktuelle Marktlage
Zum Handelsschluss am Freitag notierte Gold bei 4.430,09 Dollar je Feinunze, ein Tagesminus von 1,0 Prozent. Auf Wochensicht steht ein moderates Minus von 0,5 Prozent zu Buche, während der Blick auf die vergangenen 30 Tage mit einem Plus von 4,3 Prozent deutlich freundlicher ausfällt.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 4.530,34 Dollar beträgt derzeit minus 2,2 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Trend zuletzt ins Wanken geraten ist, auch wenn der Preis seit dem 52-Wochen-Tief im September vergangenen Jahres um 26 Prozent zugelegt hat.
Was die Gemengelage für Anleger bedeutet
Der Goldmarkt bewegt sich damit weiterhin deutlich unterhalb seines Rekordhochs von 5.598,58 Dollar, das Ende Januar erreicht wurde – der Abstand beläuft sich auf 21 Prozent. Zugleich bleibt die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken ein stabilisierender Faktor, der kurzfristige Rücksetzer durch Dollarstärke und Renditeanstiege abfedern könnte.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich die Zinserwartungen in den kommenden Wochen weiter verschieben – jede neue Volatilität bei US-Renditen und Dollar dürfte sich unmittelbar im Goldpreis niederschlagen, während der langfristige Nachfragetrend der Notenbanken den Boden nach unten absichert.
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