Hoffnungen auf Fortschritte bei den Gesprächen zwischen den USA und Iran haben Gold gestern Entlastung verschafft. Laut Bloomberg drückten sie den Ölpreis deutlich und milderten damit Inflationssorgen. Damit rückte ein Belastungsfaktor für das Edelmetall in den Hintergrund. Die heutigen US-Zwischenwahlen lenken den Blick zugleich auf mögliche Veränderungen der Fiskalpolitik.
Ölpreis verändert die Zinserwartungen
Der Zusammenhang zwischen Energiepreisen und Zinssorgen prägte bereits den Rückschlag der vergangenen Tage. Reuters berichtete am Freitag, höhere Ölpreise und anhaltende Inflationsängste hätten Erwartungen weiterer US-Zinserhöhungen verstärkt. Im Rückblick vom Montag bezeichnete die Nachrichtenagentur den am Freitag erreichten Goldpreis als Jahrestief.
Gestern kehrte sich dieser Impuls um: Sinkende Ölpreise nahmen Inflationssorgen etwas Schärfe. Gold gewann zum Tagesschluss 1,8% und schloss bei 3.945,67 USD je Feinunze. Die Erholung ging damit mit einer Entspannung bei jenem Faktor einher, der den Preis zuvor belastet hatte.
Eine veränderte Zinsentscheidung steht hinter der Bewegung allerdings nicht. Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins am 28. Oktober unverändert gelassen. Anleger warteten danach auf Hinweise zum weiteren Zinspfad. Für die Einordnung der Erholung ist deshalb entscheidend: Entlastet haben zunächst die Erwartungen, nicht eine bereits erfolgte Lockerung der Geldpolitik.
Umschichtungen bleiben ein Gegengewicht
Der World Gold Council führte die jüngste Schwäche gestern auf eine Neubewertung des erwarteten Fed-Zinspfads und Umschichtungen in Anleihen zurück. Seit Mitte Oktober sanken die COMEX-Positionen der als „Managed Money“ bezeichneten Anlegergruppe demnach um rund 11 Tonnen. Bei den übrigen genannten Händlergruppen betrug der Rückgang zusammen rund 70 Tonnen.
Das spricht für einen breiteren Hintergrund des jüngsten Preisrückgangs. Neben kurzfristigen Ölpreisbewegungen spielten veränderte Erwartungen an die Geldpolitik und die Anlageentscheidung zugunsten von Anleihen eine Rolle. Die Erholung eines Handelstags belegt für sich genommen noch keine Umkehr dieser Umschichtungen.
Wahlen treffen auf vorsichtige Prognosen
Für zusätzlichen Orientierungsbedarf sorgen heute die US-Zwischenwahlen. Reuters zufolge beobachten Marktteilnehmer deren mögliche Folgen für die Fiskalpolitik und die Marktstimmung. Eine bestimmte Wahlfolge für den Goldpreis lässt sich daraus nicht ableiten.
Auch die Reuters-Umfrage vom 28. Oktober zeichnet ein differenziertes Bild. Die Medianprognose für 2026 sank auf 4.495 US-Dollar je Feinunze. Als Belastungen nannten die Befragten hohe US-Renditen, einen starken Dollar und länger hohe Zinsen.
Dem standen Zentralbankkäufe und physische Nachfrage als Stützen gegenüber. Die Erwartungen für das folgende Jahr entwickelten sich entsprechend günstiger.
Für 2027 stieg die Medianprognose auf 4.650 US-Dollar je Feinunze. Gold erhält damit kurzfristig Rückenwind durch nachlassende Inflationssorgen. Ob daraus eine belastbarere Erholung wird, hängt wesentlich daran, wie sich die Zinserwartungen und die Umschichtungen der Anleger weiterentwickeln.
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