Schwächere US-Inflationsdaten schicken den Goldpreis am Dienstag um über zwei Prozent nach oben. Der Grund: Sinkende Teuerung nährt Spekulationen, dass die Federal Reserve ihre Zinspolitik lockerer gestaltet als bisher erwartet. Für das zinslose Edelmetall ist das eine gute Nachricht.
Der Kurs steht aktuell bei 4.092,60 US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 2,10 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum Jahreshoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar fehlen aber noch mehr als 27 Prozent.
Was die Inflationszahlen ausgelöst haben
Der Verbraucherpreisindex fiel im Juni um 0,4 Prozent. Das ist der stärkste monatliche Rückgang seit April 2020. Analysten hatten nur ein Minus von 0,1 Prozent erwartet.
Die Jahresinflation verlangsamte sich auf 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Die Kerninflation ohne Lebensmittel und Energie blieb im Monatsvergleich stabil und sank auf Jahresbasis auf 2,6 Prozent. Der Markt reagierte sofort: Die Zinserwartungen wurden neu justiert.
Weniger aggressive Zinsschritte der Fed senken die Opportunitätskosten für Goldbesitzer. Wer Gold hält, verzichtet auf Zinserträge aus Anleihen oder Tagesgeld. Fällt der Zins, wird dieser Verzicht günstiger — Gold gewinnt an Attraktivität.
Zentralbanken kaufen weiter
Unabhängig von den Zinserwartungen stützt eine strukturelle Nachfrage den Goldpreis. Der World Gold Council beziffert die jährlichen Goldkäufe der Zentralbanken der letzten vier Jahre auf durchschnittlich 1.000 Tonnen. Das ist doppelt so viel wie im Schnitt des vorherigen Jahrzehnts.
Eine Frühjahrsumfrage des Councils zeigt, wie breit dieser Trend verankert ist:
- 89 Prozent der befragten Zentralbanken erwarten steigende globale Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten
- 45 Prozent planen, ihre eigenen Bestände aufzustocken
- Die People’s Bank of China erhöhte ihre Reserven im Juni den zwanzigsten Monat in Folge
Diese Käufe laufen unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen weiter. Sie bilden ein Fundament, das den Markt auch in schwächeren Phasen stützt.
Geopolitik und der Blick auf Warsh
Vor den Inflationsdaten stand Gold unter Druck. Fed-Gouverneur Christopher Waller hatte am Montag mit Blick auf eine mögliche restriktivere Geldpolitik gewarnt, falls die Inflationszahlen hoch ausfallen sollten. Parallel spitzten sich die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran wieder zu und trieben die Ölpreise nach oben.
Die schwächeren Inflationszahlen haben diese Sorgen nun vorübergehend verdrängt. Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich jetzt auf die Anhörung von Fed-Chef Kevin Warsh vor dem Kongress am Dienstag. Seine Aussagen dürften weitere Hinweise zum Zinsausblick liefern.
Der Chart zeigt trotz des Tagesgewinns noch keine Trendwende. Gold notiert 5,82 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und fast 10 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Der RSI von 43,8 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand — der Markt bleibt vorerst in der Warteposition, bis Warsh vor dem Kongress spricht.
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