Eine Entspannung im Nahen Osten könnte Gold neuen Auftrieb geben. Citi nennt heute ein Kursziel von 4.500 US-Dollar je Feinunze für die kommenden drei Monate. Voraussetzung sind eine Wiederöffnung der Straße von Hormus und eine Deeskalation des Konflikts zwischen Jemen und Saudi-Arabien. Die Bank setzt damit nicht auf eine weitere Verschärfung der geopolitischen Risiken, sondern auf nachlassenden Energiepreis- und Zinsdruck.
Niedrigerer Ölpreis als möglicher Katalysator
Die Überlegung der Analysten: Eine Entspannung könnte die Ölpreise drücken und damit den Inflationsdruck verringern. Das würde der US-Notenbank nach Einschätzung von Citi Spielraum geben, von Zinserhöhungen zu Zinssenkungen überzugehen. In diesem Szenario könnte auch die Goldnachfrage steigen.
Für einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nennt Citi ein weitergehendes Ziel von 5.000 US-Dollar je Feinunze. Auch diese Prognose steht unter Bedingungen. Die Spannungen um Jemen und Saudi-Arabien müssten bis Jahresende nachlassen.
Die heutige Marktbewegung passt zumindest zur Richtung dieser These. Reuters zufolge stützen ein schwächerer Dollar, sinkende US-Staatsanleiherenditen und geringere Inflationssorgen den Goldpreis nach den US-Zwischenwahlen. Gleichzeitig gab Öl deutlich nach. Bloomberg berichtet ebenfalls von fallenden Renditen und einem schwächeren Dollar nach dem Wahlsieg der Demokraten.
Gold setzt die Erholung mit einem Tagesplus von 1,8% fort. Das unterstützt die kurzfristig freundlichere Einschätzung, bestätigt aber noch nicht die geopolitischen Voraussetzungen der Citi-Prognose. Eine dauerhafte Entspannung ist damit nicht belegt.
Zinserwartungen begrenzen die Zuversicht
Der entscheidende Vorbehalt liegt in der Geldpolitik. Trotz der jüngsten Entlastung bei Dollar und Anleiherenditen erwarteten die Märkte heute überwiegend eine Fed-Zinserhöhung im Dezember. Die von Citi skizzierte Wende zu sinkenden Zinsen ist deshalb ein Szenario und keine bereits eingetretene Entwicklung.
Hohe Energiepreise und anhaltende Zinssorgen bleiben nach Einschätzung der Bank kurzfristige Risiken. Sollte die diplomatische Entspannung ausbleiben, wäre der von Citi beschriebene Weg über niedrigere Inflation zu einer lockereren Geldpolitik nicht gesichert. Die Kursziele lassen sich daher nicht von ihren Voraussetzungen trennen.
Für Anleger liegt die Bedeutung der Analyse in diesem Zusammenhang: Nicht jede geopolitische Entspannung müsste Gold belasten. Wenn sie Energiepreise, Inflationserwartungen und Zinsdruck gleichzeitig senkt, könnte sie dem Edelmetall nach der Citi-These vielmehr helfen. Die jüngste Erholung liefert dafür ein erstes Marktbild, aber noch keinen Beleg für den gesamten erwarteten Wirkungszusammenhang.
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