Vier Wochen in Folge im Minus, rund elf Prozent tiefer als vor einem Monat — Gold kämpft derzeit gegen einen starken Gegenwind. Hinter der Schwäche steckt ein ungelöster Widerspruch: Eine restriktive US-Notenbank drückt auf den Preis, während Zentralbanken weltweit so viel Gold kaufen wie seit Jahrzehnten nicht.
Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.058 US-Dollar je Feinunze, rund 28 Prozent unter dem Januar-Hoch von 5.627 Dollar. Der RSI liegt bei 35 — technisch nahe überverkauftem Terrain.
Goldman Sachs verschiebt die Zeitachse
Goldman Sachs hat sein Jahresendziel für 2026 von 5.400 auf 4.900 Dollar gesenkt. Die Rohstoffstrategen Lina Thomas und Daan Struyven begründen die Revision mit einer veränderten Fed-Erwartung. Goldman rechnet nun mit keiner einzigen Zinssenkung in diesem Jahr. Stattdessen verschoben sich die erwarteten Schritte: von Dezember 2026 und März 2027 auf Juni und Dezember 2027.
Auslöser war auch die erste Sitzung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh, die Goldman als überraschend restriktiv einordnete. Warsh bekräftigte das Bekenntnis der Notenbank zur Inflationsbekämpfung — ein klares Signal gegen baldige Lockerungen.
Aufgegeben hat Goldman die strukturelle Gold-Story allerdings nicht. Die Bank hat lediglich den Zeitpunkt nach hinten verschoben.
Hormuz-Konflikt befeuert Inflationssorgen
Ein weiterer Belastungsfaktor kam vergangene Woche aus dem Nahen Osten. Der Iran griff ein Containerschiff, ein Schiff mit katarischem Öl sowie Militärbasen in Kuwait und Bahrain an. Die USA antworteten mit Gegenschlägen. Im Zuge des Konflikts verlor Gold zweistellig, da die faktische Schließung der Straße von Hormus die Ölpreise trieb und Inflationserwartungen neu entfachte. Höhere Inflation macht Zinssenkungen unwahrscheinlicher — und das belastet Gold.
Inzwischen haben beide Seiten weitere Angriffe ausgesetzt. Friedensgespräche in Doha sollen diese Woche fortgesetzt werden.
Zentralbanken kaufen so viel wie nie
Das kurzfristige Bild trübt sich ein, das strukturelle Bild nicht. Der World Gold Council zeigt in seiner aktuellen Umfrage: 89 Prozent der Reservemanager erwarten, dass globale Zentralbankbestände in den nächsten zwölf Monaten steigen. Ein Rekordhoch von 45 Prozent plant, die eigenen Reserven aufzustocken.
Gold hat US-Staatsanleihen als weltgrößten Reservewert überholt. In den vergangenen vier Jahren akkumulierten Zentralbanken durchschnittlich 1.000 Tonnen pro Jahr — doppelt so viel wie im Jahrzehnt davor. Als Hauptmotiv nennen 90 Prozent der Befragten die Wertentwicklung von Gold in Krisenzeiten. Besonders Schwellenländer-Zentralbanken betonen den Schutz vor geopolitischen Risiken.
84 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten, dass Gold in fünf Jahren einen höheren Anteil an den Gesamtreserven hält — nach 76 Prozent im Vorjahr.
Großbanken bleiben gespalten
Die Jahresendziele der Großbanken für 2026 klaffen weit auseinander: Goldman Sachs steht nun bei 4.900 Dollar, Morgan Stanley bei 5.200, UBS bei 5.500, Bank of America und J.P. Morgan bei rund 6.000 Dollar, Wells Fargo sogar bei 6.100 bis 6.300 Dollar.
Die zuletzt veröffentlichten US-PCE-Inflationsdaten lagen im Rahmen der Erwartungen. Das veranlasste Anleger, Wetten auf weitere Zinserhöhungen leicht zurückzufahren. Richtungsweisend werden nun der US-Arbeitsmarktbericht und der ISM Manufacturing PMI — beide können die Fed-Erwartungen und damit den Goldpreis kurzfristig bewegen.
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