Drei Wochenrückgänge in Folge — und der Freitag bringt keine Erleichterung. Gold steht unter dem gemeinsamen Druck eines stärkeren Dollars, einer zunehmend restriktiven US-Notenbank und geopolitischer Verunsicherung. Das Edelmetall notiert bei rund 4.153 Dollar je Feinunze.
Fed-Chef Warsh als Kurstreiber
Der eigentliche Treiber der aktuellen Schwäche sitzt in Washington. Neun der 19 Fed-Mitglieder rechnen inzwischen damit, dass die Leitzinsen noch 2026 angehoben werden müssen — eine Reaktion auf die inflationären Folgewirkungen des Iran-Krieges. Fed-Chef Warsh hat mit restriktiven Aussagen klargemacht, dass die Geldpolitik das dominierende Marktthema bleibt. Ein höheres Zinsniveau stärkt den Dollar und drückt auf Gold, das keine laufenden Erträge abwirft.
Die Konsequenzen zeigen sich auch bei den Prognosen. Goldman Sachs hat sein Kursziel für Gold bis Dezember 2026 von 5.400 auf 4.900 Dollar gesenkt — ein deutliches Signal, dass selbst optimistische Häuser ihre Erwartungen zurückschrauben.
Iran-Unsicherheit belastet zusätzlich
Eigentlich sollte das US-Iran-Friedensabkommen Entspannung signalisieren. Stattdessen sorgt die Absage von US-Vizepräsident JD Vance — er strich eine geplante Reise in die Schweiz, wo Umsetzungsgespräche mit iranischen Unterhändlern stattfinden sollten — für neue Fragezeichen über die Stabilität des Abkommens. Der Dollar profitierte davon unmittelbar, Gold geriet weiter unter Druck.
Hinzu kommt: Die Börsen in China und Hongkong blieben wegen des Drachenbootfestes geschlossen, was das Handelsvolumen dünnte und technische Bewegungen verstärkte.
Charttechnik spricht für weitere Vorsicht
Technisch betrachtet steckt Gold in einer Korrekturphase. Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte zeigen nach unten, der Kurs liegt unterhalb der Ichimoku-Wolke. Das Chartbild erinnert an ein klassisches Bear-Flag-Muster — ein schwacher Rebound nach einem steilen Kursrückgang, der häufig weiteren Abgaben vorausgeht. Solange der Preis nicht nachhaltig über die 4.315-Dollar-Marke steigt, bleibt das Bild belastet. Auf der Unterseite rückt die Marke von 4.100 Dollar wieder in den Blick.
Das nächste klare Signal dürfte von der Fed kommen: Sollten weitere Notenbankmitglieder öffentlich für Zinserhöhungen werben, wächst der Gegenwind für das Edelmetall weiter.
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