Der Goldpreis notiert am Dienstag bei 4.452,18 US-Dollar je Feinunze und damit nahezu unverändert zum Vortag. Während der kurzfristige Ausblick von den Zinssignalen aus Jackson Hole geprägt bleibt, rückt eine strukturelle Entwicklung in den Vordergrund: Notenbanken kaufen so viel Gold wie selten zuvor, und auch börsengehandelte Fonds verzeichnen wieder kräftige Zuflüsse.
Rekordkäufe der Notenbanken im zweiten Quartal
Der World Gold Council bestätigte für das zweite Quartal Nettokäufe der Zentralbanken von 289 Tonnen – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Zugleich revidierte der Branchenverband seine Schätzung für das erste Quartal deutlich nach unten, von ursprünglich 244 auf nur noch 57 Tonnen. Das Muster bleibt damit dasselbe: Offizielle Institutionen bauen ihre Goldreserven kontinuierlich aus, auch wenn die Tempi zwischen den Quartalen schwanken.
Einzelne Länderdaten untermauern den Trend. Die chinesische Zentralbank meldete für Juli einen Zuwachs von 20 Tonnen, nach 15 Tonnen im Juni – in den ersten sieben Monaten des Jahres summieren sich die Käufe Pekings damit auf 60 Tonnen.
Polens Notenbank kaufte im zweiten Quartal 51 Tonnen und hob ihre Gesamtreserven auf 632 Tonnen, bei einem erklärten Zielwert von 700 Tonnen. Diese Zukäufe erfolgen unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen und signalisieren ein langfristiges Diversifizierungsinteresse weg vom US-Dollar.
ETF-Anleger kehren zurück
Parallel zur Notenbanknachfrage hat sich auch das Bild bei den börsengehandelten Fonds gedreht. Nach Abflüssen von 76,8 Tonnen im Juni meldete ein Handelshaus für die ersten drei Augustwochen Nettozuflüsse in physisch besicherte Gold-ETFs von 92,8 Tonnen – eine deutliche Trendwende.
Der weltweit größte Gold-ETF, SPDR Gold Shares, bestätigte für die Woche bis zum 26. August einen Bestandszuwachs auf 1.045,50 Tonnen, ein Plus von 10,84 Tonnen binnen einer Woche bei einem Kapitalzufluss von netto 1,97 Milliarden US-Dollar.
Diese Rückkehr privater und institutioneller Anleger in physisch hinterlegte Produkte fällt mit einer Phase zusammen, in der der Goldpreis rund 20 Prozent unter seinem Rekordhoch von 5.598,58 US-Dollar vom 29. Januar notiert. Für viele Investoren scheint das aktuelle Niveau trotz der jüngsten Konsolidierung ein attraktiver Einstiegspunkt zu bleiben.
Fiskalpolitik als zusätzlicher Treiber
Ned Davis Research verweist als weiteren strukturellen Faktor auf die auf über 40 Billionen US-Dollar gestiegene US-Staatsverschuldung. Chef-Stratege John LaForge bezeichnet sie als primären Treiber des laufenden Gold-Bullenmarkts und hält langfristig sogar eine Kursverdopplung für möglich.
Diese Einschätzung deckt sich mit der Argumentation, wonach anhaltende Haushaltsdefizite und die Aussicht auf sinkende Realrenditen Gold als Absicherung gegen fiskalische Risiken attraktiv halten.
Zusammengenommen zeichnen Notenbankkäufe, zurückkehrende ETF-Nachfrage und strukturelle Fiskalsorgen ein Bild, das über die kurzfristige Kursreaktion auf geldpolitische Signale hinausweist. Während der Tagesausschlag gering ausfällt, bauen mehrere große Nachfragequellen gleichzeitig ihre Positionen auf – ein Muster, das die mittelfristige Nachfragebasis für Gold stützt.
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