Startseite » Marktberichte » Gold: Ein missmutiger Trend?

Gold: Ein missmutiger Trend?

Diplomatische Gespräche zwischen USA und Iran stützen den Goldpreis kurzfristig, doch steigende Ölpreise und Zinserwartungen belasten das Edelmetall.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Goldpreis steigt um knapp ein Prozent
  • USA und Iran verhandeln in Pakistan
  • Ölpreis über 105 Dollar treibt Inflation
  • Fed-Zinsentscheid rückt in den Fokus

In Islamabad laufen die Vorbereitungen für ein diplomatisches Spitzentreffen. Die USA und der Iran suchen unter pakistanischer Vermittlung nach einem Ausweg aus der Nahostkrise. Am Goldmarkt sorgt diese Entwicklung zum Wochenschluss für leichtes Aufatmen. Dennoch überwiegt der geldpolitische Gegenwind.

Der Preis für eine Feinunze klettert am Freitag um knapp ein Prozent auf 4.744,80 US-Dollar. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von über zwei Prozent auf der Anzeigetafel. Der Grund für die kurzfristige Erholung ist politischer Natur. Irans Außenminister Abbas Araghchi trifft in Pakistan auf eine US-Delegation um die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Pakistanische Regierungskreise halten einen Durchbruch für möglich.

Ölpreis treibt Inflationssorgen

Die Friedensgespräche können die strukturellen Sorgen der Investoren kaum verdecken. Die Blockade der Straße von Hormus treibt die Energiepreise massiv nach oben. Brent-Rohöl verteuerte sich im Wochenverlauf um mehr als 17 Prozent und sprang über die Marke von 105 US-Dollar je Barrel.

Höhere Energiekosten heizen die Inflation an. Das verändert die Zinserwartungen fundamental. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg über die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent. Parallel dazu wertete der US-Dollar auf. Beide Faktoren belasten zinslose Anlagen wie das Edelmetall schwer.

Zentralbanken agieren zweigleisig

Abseits der tagesaktuellen Geopolitik stützt die physische Nachfrage den Markt. Seit Jahresbeginn verzeichnet Gold ein Plus von gut neun Prozent. Ein wesentlicher Treiber bleiben die Notenbanken. Polen kaufte im Februar 20 Tonnen und signalisiert damit wachsendes Misstrauen in die geopolitische Stabilität.

Weltweit überwiegen die Käufe. Im Februar stockten die Währungshüter ihre Bestände netto um 27 Tonnen auf. Einigkeit herrscht jedoch nicht. Russland und die Türkei nutzten das hohe Preisniveau und reduzierten ihre Reserven leicht.

Blick auf die Fed

In der kommenden Woche rückt die US-Notenbank in den Mittelpunkt. Neben dem Zinsentscheid stehen die US-BIP-Daten für das erste Quartal sowie neue Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an. Die Märkte preisen frühere Zinssenkungshoffnungen zunehmend aus. Unter dem nominierten Fed-Chef Kevin Warsh gilt für 2026 inzwischen sogar eine Zinserhöhung als denkbares Szenario, falls der Ölpreisschock die Wirtschaft durchdringt.

Goldman Sachs hält ungeachtet dieser Risiken an einem optimistischen Szenario fest. Die Analysten der Investmentbank bestätigen ihr Kursziel von 5.400 US-Dollar für das Jahresende. Sie stützen ihre Prognose auf anhaltende Notenbankkäufe und die Annahme, dass die Fed den Leitzins letztlich doch senken wird. Am Mittwoch liefert der nächste Zinsentscheid konkrete Fakten.

Diskussion zu Gold

Gold Chart