Während der Goldpreis nach der hawkischen Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Kevin Warsh gestern und dem seit rund zwei Wochen verdoppelten Anleiherückkaufvolumen des US-Finanzministeriums Konsolidierung zeigt, rückt ein anderes Thema in den Fokus: Der World Gold Council treibt die Formalisierung des kleingewerblichen Goldbergbaus voran. Der Verband unterzeichnete im August gleich zwei Absichtserklärungen, die die Herkunft von Gold aus artisanalen Minen transparenter machen sollen.
Am 12. August besiegelten der World Gold Council und der Rohstoffkonzern Dynacor eine Vereinbarung zur Formalisierung des sogenannten ASGM-Sektors – artisanales und kleingewerbliches Goldmining. Im Zentrum stehen zentralisierte Verarbeitungsanlagen und eine bessere Rückverfolgbarkeit der Herkunft.
Zwei Tage zuvor hatte der Verband bereits mit OCIM Metals & Mining ein ähnliches Abkommen für Westafrika geschlossen, das Umwelt- und Sozialstandards stärken sowie illegale Fördermengen zurückdrängen soll.
Vertrauen im Handel als zweite Baustelle
Parallel dazu lancierte der World Gold Council am 19. August gemeinsam mit der British Standards Institution den „Gold Dealer Assurance Standard“. Das Rahmenwerk soll Transparenz und Vertrauen im Einzelhandel mit Gold stärken – ein Signal, dass die Branche auf wachsendes Anlegerinteresse mit klareren Standards reagiert.
Diese strukturellen Initiativen fallen in eine Phase, in der die Nachfrageseite ohnehin im Umbruch ist. Zentralbanken kauften im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der stärkste je gemessene Q2-Wert.
Polen führte mit 51 Tonnen die Käufe an und nähert sich seinem Ziel von 700 Tonnen Gesamtbestand, während China mit 33 Tonnen den größten Einzelquartalszukauf seit Ende 2023 verzeichnete – bereits der 21. Monat in Folge mit Käufen. Eine Umfrage unter 74 Notenbanken ergab im Juni, dass 45 Prozent von ihnen binnen Jahresfrist weitere Käufe planen, während nur eine einzige Verkäufe in Erwägung zieht.
Angebotsseite unter Druck
Auf der Produktionsseite mehren sich unterdessen Warnsignale. Analyst Paul Manalo von S&P Global rechnet mit einem Höhepunkt des globalen Goldangebots im laufenden Jahr bei 110 Millionen Unzen, gefolgt von einem Rückgang auf 103 Millionen Unzen bis 2028. Seit 2020 wurden demnach lediglich fünf größere Lagerstätten mit zusammen 17 Millionen Unzen entdeckt – ein dünnes Fundament für künftiges Wachstum.
Der kanadische Produzent B2Gold musste bereits reagieren: Für den Fekola-Komplex in Mali senkte das Unternehmen seine Jahresprognose auf 390.000 bis 420.000 Unzen, nachdem zuvor bis zu 460.000 Unzen in Aussicht gestellt worden waren. Immerhin erhielt B2Gold Anfang August die Abbaulizenz für das nahegelegene Projekt Menankoto, das ab 2028 mehr als 150.000 Unzen jährlich liefern soll.
Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.453,55 US-Dollar je Feinunze und damit rund 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 Dollar, das Ende Januar erreicht wurde. Gegenüber dem Zwölfmonatstief von 3.437,07 Dollar aus dem September bedeutet das dennoch ein Plus von 30 Prozent.
Die strukturellen Initiativen des World Gold Council ändern an dieser kurzfristigen Preisbewegung wenig, unterstreichen aber den Anspruch der Branche, das Fundament für die anhaltend hohe institutionelle Nachfrage auch langfristig abzusichern.
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