Drei Notenbanker stimmen gegen ihren eigenen Chef. Diese Spaltung in der US-Notenbank sorgt am Donnerstag für Nervosität am Goldmarkt. Hinzu kommt: Im Nahen Osten eskaliert die Lage weiter.
Die stärkste Spaltung seit 2016
Die Fed hat am Mittwochabend die Zinsen unverändert gelassen. Die Spanne bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Das eigentliche Ereignis war aber das Abstimmungsergebnis.
Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses stimmten gegen die Entscheidung von Fed-Chef Kevin Warsh. Sie forderten eine sofortige Zinserhöhung gegen den anhaltenden Inflationsdruck. Eine derart offene Spaltung gab es zuletzt 2016.
Die Reaktion am Goldmarkt fiel entsprechend unruhig aus. Das Edelmetall kletterte zunächst auf 4.116 US-Dollar je Feinunze, gestützt von der Zinspause. Die hawkishen Signale der Minderheit drückten den Preis anschließend wieder zurück. Aktuell notiert Gold bei 4.127,60 US-Dollar und bewegt sich damit kaum vom Vortagesschluss.
Nahost-Konflikt treibt Nachfrage nach Sicherheit
Parallel zur geldpolitischen Unsicherheit verschärft sich die Lage im Nahen Osten. Berichte über neue militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran erhöhen die Risikoaversion an den Märkten. Angriffe auf Tanker-Infrastruktur im ägyptischen Hafen Damietta und Raketeneinschläge in Jordanien verschärften die Situation binnen 24 Stunden.
Die Folge: Die Ölpreise schossen nach oben. Brent notierte zeitweise über 91 US-Dollar. Steigende Energiekosten befeuern die Inflationssorgen zusätzlich — und genau das stützt Gold als Absicherung.
Besonders die Unsicherheit über eine mögliche Blockade der Straße von Hormuz wirkt wie ein Puffer für den Goldpreis. Sie kompensiert einen Teil der Verluste, die aus steigenden Anleiherenditen entstehen.
Konsolidierung nach starker Korrektur
Der aktuelle Kurs zeigt: Gold befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar im Januar hat das Edelmetall rund 27 Prozent verloren. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt liegt bei minus 1,9 Prozent — ein Zeichen, dass der kurzfristige Trend noch keine klare Richtung gefunden hat.
Analysten großer Häuser wie Goldman Sachs und HSBC haben ihre Jahresend-Ziele für 2026 zuletzt auf eine Spanne zwischen 4.000 und 4.900 US-Dollar angepasst. Die Bandbreite zeigt: Selbst unter Profis herrscht derzeit keine Einigkeit über die weitere Richtung.
Am Nachmittag stehen die US-PCE-Inflationsdaten an. Fallen sie höher aus als erwartet, dürfte der Druck auf Fed-Chef Warsh wachsen, den internen Kritikern doch noch entgegenzukommen. In diesem Szenario muss sich zeigen, ob die Marke von 4.000 US-Dollar als Unterstützung hält.
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