Sinkende US-Renditen und ein schwächerer Dollar geben Gold heute Rückenwind: Der Preis legt um 3,0% zu. Reuters zufolge stützen außerdem Absicherungskäufe wegen politischer Unsicherheit. Die Einordnung reicht damit über eine reine Gegenbewegung hinaus: Mehrere Belastungsfaktoren lassen gleichzeitig nach. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, dürfte auch von den nächsten US-Konjunkturdaten abhängen.
Dollar und Anleiherenditen stützen Gold
Reuters zitiert Chris Weston von Pepperstone mit der Einschätzung, dass Dollar und Renditen klare Stützen für Gold seien. Dabei sanken sowohl die nominalen als auch die realen US-Renditen. Als politischen Hintergrund nennt die Nachrichtenagentur Erfolge der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen.
Für Anleger ist vor allem der Wechsel im Marktumfeld bemerkenswert. Noch gestern hatten ein stärkerer Dollar und höhere Renditen von US-Staatsanleihen den Goldpreis laut Reuters belastet. Heute wirken diese Einflussgrößen in die andere Richtung. Zugleich kommt Nachfrage nach politischer Absicherung hinzu.
Die Erholung hatte sich bereits am Montag angedeutet. Nach dem Ausverkauf vom Freitag berichtete Reuters über eine Gegenbewegung. Sinkende Ölpreise dämpften damals die Inflationssorgen, während Anleger Signale der US-Notenbank einordneten. Der heutige Anstieg erhält durch Dollar und Renditen zusätzliche Unterstützung.
Nachfrage stützt nicht überall gleichermaßen
Ein Gegengewicht zu den kurzfristigen Marktschwankungen liefern die gestern veröffentlichten Angaben des World Gold Council. Zentralbanken und andere offizielle Institutionen kauften netto 321 Tonnen Gold. Das entsprach einem Anstieg von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Goldgedeckte börsengehandelte Fonds verzeichneten Zuflüsse von 211 Tonnen.
Diese Käufe stehen allerdings nicht für eine durchgehend kräftige Nachfrage. Der World Gold Council zeichnet vielmehr ein uneinheitliches Bild: Offizielle Käufer und Fonds stützen den Markt, während hohe Preise andere Nachfragebereiche belasten. Die heutige Erholung sollte deshalb nicht als Beleg für einen breit angelegten Nachfrageschub gelesen werden.
Für Indien erwartet der World Gold Council 2026 eine Goldnachfrage von rund 650 Tonnen. Das wäre der niedrigste Wert seit 2020. Reuters nennt hohe Preise, eine schwache Schmucknachfrage und eine schwache Monsunernte als Belastungen.
Arbeitsmarktbericht als nächster Termin
Der nächste konkrete Prüfstein folgt am 6. November 2026 mit dem US-Arbeitsmarktbericht für Oktober. Reuters zufolge warten Anleger auf Hinweise zum weiteren geldpolitischen Kurs der Fed.
Damit bleibt die Verbindung zwischen Konjunkturdaten, Dollar und Renditen für die Einordnung der Erholung entscheidend. Heute spricht dieses Zusammenspiel für Gold. Die unterschiedliche Entwicklung der Nachfrage mahnt jedoch dazu, den Tagesanstieg nicht mit einer bereits bestätigten Trendwende gleichzusetzen.
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