Die heute angekündigten US-Inflationsdaten könnten dem Goldmarkt Hinweise auf den weiteren Zinskurs der Federal Reserve geben. Nach der unveränderten Zinsentscheidung geriet das Edelmetall laut Reuters unter Druck. Ein festerer Dollar und die Aussicht auf eine mögliche Zinserhöhung im Dezember belasteten den Preis. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie viel geldpolitischen Spielraum die Inflationsentwicklung lässt.
PCE-Daten als nächster Prüfstein
Das US Bureau of Economic Analysis hat die Veröffentlichung des PCE-Preisindex für September für heute angekündigt. Die Daten gelten als bevorzugtes Inflationsmaß der Fed. Marktteilnehmer warten deshalb auf Hinweise, ob der Preisdruck die Sorge vor einer weiteren Straffung der Geldpolitik stützt.
Für das zinslose Edelmetall ist diese Konstellation ungünstig: Die Hoffnung auf Entlastung durch die Geldpolitik trifft auf anhaltende Inflationssorgen. Der unveränderte Leitzins allein hat diese Sorgen nicht ausgeräumt. Reuters nennt neben dem stärkeren Dollar ausdrücklich die mögliche Zinserhöhung im Dezember als Belastung.
Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen einer Möglichkeit und einem Beschluss. Eine Anhebung im Dezember steht nicht fest. Die heutigen Daten können die Erwartungen an den Zinspfad beeinflussen, nehmen der Notenbank ihre Entscheidung aber nicht ab.
Öl und Renditen verschärfen den Druck
Bereits gestern berichtete Reuters über einen zusätzlichen Inflationsimpuls vom Ölmarkt. Brent verteuerte sich nach einem Angriff auf eine saudische Raffinerie um mehr als 1 %. Zugleich stiegen die langfristigen US-Renditen.
Fed-Chef Kevin Warsh betonte die Handlungsbereitschaft der Notenbank. Zusammen mit dem Ölpreisanstieg erklärt das, weshalb geopolitische Unsicherheit Gold nicht ausschließlich als sichere Anlage begünstigt. Im jüngsten Marktgeschehen überwogen laut Reuters die damit verbundenen Inflations- und Zinssorgen.
Zentralbankkäufe bleiben ein Gegengewicht
Auf der Nachfrageseite stehen diesen Belastungen Käufe von Zentralbanken gegenüber. Der World Gold Council berichtete am 15. Oktober, dass die People’s Bank of China im September 23 Tonnen Gold hinzufügte. Für das dritte Quartal summierten sich die Käufe auf 63 Tonnen.
Diese Nachfrage ist von den kurzfristigen Auslösern der jüngsten Preisbewegung zu trennen. Sie bildet ein Gegengewicht, beseitigt aber nicht den Druck durch Dollar und Zinserwartungen. Auch die physische Nachfrage liefert kein einheitliches Bild.
So meldete der World Gold Council am 20. Oktober deutlich gesunkene indische Goldimporte im September. Für Anfang November kündigte er seinen nächsten Bericht zur Goldnachfrage an. Bis dahin richtet sich der unmittelbare Blick auf die heutigen PCE-Daten: Sie treffen auf einen Goldmarkt, dessen kurzfristige Richtung derzeit vor allem von Inflations- und Zinssorgen geprägt wird.
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