Der Goldpreis tritt zum Wochenstart auf der Stelle, während im Hintergrund eine deutlich größere Geschichte weiterläuft: Chinas Griff nach dem Edelmetall. Die offiziellen Zahlen der People’s Bank of China zeigen längst nur einen Teil des Bildes.
Vom Zurückhalten und Aufstocken
Am Goldmarkt halten sich die Käufer zum Start in die neue Woche zurück, der Preis gibt leicht nach. Ganz anders sieht die Lage bei den langfristigen Trends aus. China hat seine offiziell gemeldeten Goldreserven seit 2009 von rund 1.054 Tonnen auf etwa 2.366 Tonnen mehr als verdoppelt – ein Plus von rund 124 Prozent.
Diese Zahl bildet nach Einschätzung von Marktbeobachtern aber nicht den gesamten staatlichen Besitz ab. Neben der Zentralbank könnten weitere Institutionen wie die Staatliche Devisenverwaltung zusätzliches Gold halten, ohne es zu veröffentlichen. Hinweise darauf liefern die Goldimportdaten über die Schweiz und Hongkong, eine exakte Berechnung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Zweiter Platz hinter den USA?
Einige Schätzungen gehen davon aus, dass China zusätzlich etwa so viel Gold besitzen könnte, wie die Zentralbank offiziell ausweist. Träfe das zu, kämen die chinesischen Behörden auf einen Gesamtbestand von rund 4.700 Tonnen – etwa 58 Prozent der US-Reserven von 8.133 Tonnen. Damit würde China Deutschland, Italien und Frankreich in der Rangliste der größten staatlichen Goldbesitzer hinter sich lassen und den zweiten Platz belegen.
Hinzu kommt der private Goldbesitz. Belastbare Zahlen fehlen auch hier, Schätzungen für chinesische Privathaushalte bewegen sich im Bereich von rund 10.000 Tonnen – vergleichbar mit den geschätzten Beständen in Indien, wo Goldschmuck und -münzen traditionell eine große Rolle spielen.
Verlässlich verifizieren lässt sich diese Größenordnung nicht, sie deutet aber darauf hin, dass der tatsächliche chinesische Goldbestand die offiziellen Zentralbankzahlen bei weitem übersteigt.
Fundament trifft auf Gegenwind
Für den Preis ergibt sich daraus ein zwiespältiges Bild. Starke Zentralbankkäufe, hohe ETF-Zuflüsse und geopolitische Risiken stützen Gold fundamental. Dem steht eine straffere Geldpolitik der US-Notenbank gegenüber, verbunden mit hohen Anleiherenditen und einem festen Dollar – beides klassische Bremsen für den Goldpreis.
Ob die anhaltende Nachfrage aus China und anderen Zentralbanken diesen Gegenwind ausgleichen kann, dürfte sich in den kommenden Wochen an der Reaktion auf US-Zinsdaten zeigen. Die strukturelle Nachfrageseite bleibt jedenfalls intakt, solange Staaten wie China ihre Bestände weiter aufstocken – offiziell oder im Verborgenen.
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