Zwei saudi-arabische Öltanker unter Beschuss, US-Angriffe auf Iran in der zwölften Nacht in Folge, Brent-Öl erstmals seit Mai über 100 Dollar. Der Nahost-Konflikt schickt Gold auf Talfahrt. Das Edelmetall notiert am Freitag bei 4.055,70 US-Dollar je Feinunze, nur 0,08 Prozent über dem Vortag.
Der Wochenverlauf zeigt die Nervosität deutlich. Zur Wochenmitte rutschte der Preis unter die Marke von 4.100 Dollar. Auf Sicht von 30 Tagen liegt Gold trotzdem leicht im Plus, mit 0,98 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dagegen ein Minus von 6,4 Prozent zu Buche.
Öl treibt Zinssorgen an
Die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen erklärten, im Rahmen einer Seeblockade zwei saudische Tanker angegriffen zu haben. Das schürt Sorgen vor einem Engpass in der globalen Ölversorgung. Parallel setzten die USA ihre Angriffe auf Iran fort, was neue Vergeltungsschläge provozierte.
Präsident Trump warnte vor einer Ausweitung der Militäraktionen gegen Iran. Er drohte Teheran mit Konsequenzen, sollten Houthi-Rebellen weitere Handelsschiffe im Roten Meer angreifen. Die Folge: Brent-Öl kletterte erstmals seit Mai über 100 Dollar je Barrel.
Steigende Energiepreise nähren Inflationssorgen. Das wiederum stärkt die Erwartung einer restriktiveren Fed-Politik. Für Gold, ein zinsloses Anlagegut, ist das ein direkter Belastungsfaktor.
Zinserwartungen kippen von Tag zu Tag
Die Fed-Erwartungen der Märkte haben sich binnen weniger Handelstage merklich verschoben. Aktuell preisen Geldmärkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 78 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Zwischenzeitlich lag diese Zahl sogar bei über 81 Prozent, während Anleger einer Anhebung schon in der kommenden Woche eine Chance von 34 Prozent gaben.
Zusätzlich belasten frische US-Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe wichtiger Handelspartner das Marktumfeld. Das Zusammenspiel aus Zollpolitik und Zinsspekulation macht die Lage schwer kalkulierbar.
Notenbanken kaufen weiter
Trotz Gegenwind durch steigende Realrenditen bleibt ein Faktor stabil: die physische Nachfrage der Notenbanken. Die People’s Bank of China stockte ihre Goldbestände im Juni um 14,93 Tonnen auf. Es ist bereits der 20. Monat in Folge mit Zukäufen und die größte monatliche Aufstockung seit 2023.
Das geschieht mitten in einem historischen Nachfragerückgang im Quartalsvergleich. Die anhaltenden chinesischen Käufe stützen die These, dass strukturelle Kräfte wie die Reservediversifizierung intakt bleiben. Kurzfristig gibt trotzdem der Fed-Zinspfad die Richtung vor.
Chart zeigt engen Korridor
Technisch bewegt sich Gold aktuell in einer engen Spanne. Der Preis liegt derzeit 4,41 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.242,92 Dollar — ein Zeichen für den kurzfristigen Abwärtsdruck. Analysten sehen eine primäre Unterstützung bei 3.950 Dollar und einen Widerstand bei 4.060 Dollar.
Der RSI von 44,7 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Ein Ausbruch aus dem Korridor dürfte von neuen Wirtschaftsdaten und geldpolitischen Signalen abhängen.
Diese Termine könnten die Richtung vorgeben
Für die neue Handelswoche stehen mehrere marktbewegende Termine an:
- Donnerstag: EZB-Zinsentscheidung
- Donnerstag: US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe
- Freitag: Einkaufsmanagerindizes für verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungssektor
Zeigen diese Konjunkturindikatoren eine systemische Schwäche, könnte sich die Risikostimmung verschieben. Das würde sowohl den US-Dollar als auch Goldpaare deutlich beeinflussen.
Die Gemengelage bleibt vertrackt. Geopolitische Risiken und Zentralbank-Käufe stützen die langfristige Nachfrage. Steigende Ölpreise und Zinserwartungen drücken kurzfristig auf den Kurs. Welche Kraft sich in der kommenden Woche durchsetzt, entscheidet sich an der 3.950-Dollar-Marke als Unterstützung und den Notenbank-Terminen am Donnerstag.
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