Iran und Oman verhandeln über eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus. Trotzdem bewegt sich der Goldpreis kaum. Das zeigt: Anleger trauen der Entspannung noch nicht.
Gold startet am Montag, den 10. August 2026, ruhig in die neue Woche. Der Preis notiert bei rund 4.401 US-Dollar je Feinunze und hält damit das Niveau vom Freitagsschluss. In der Vorwoche legte das Metall um gut 7 Prozent zu – der stärkste Wochengewinn seit Jahresbeginn.
Diplomatische Fortschritte im Nahen Osten drücken eigentlich auf die geopolitische Risikoprämie. Bullische Analystenkommentare und neue Einschätzungen zur globalen Inflation wirken jedoch dagegen.
Zähe Verhandlungen um die Straße von Hormus
Iran und Oman stecken Berichten zufolge in der Endphase von Gesprächen über einen neuen Schifffahrtsmechanismus. Geplant ist ein Rundkurs: Tanker sollen über nördliche Routen durch iranische Gewässer einfahren. Die Ausfahrt soll über südliche Routen durch omanische Gewässer erfolgen.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi dämpfte am Sonntag dennoch die Erwartungen. Eine bilaterale Einigung mit dem Oman bedeute nicht automatisch die Wiedereröffnung der Wasserstraße, betonte er. Teheran knüpft eine echte Öffnung weiterhin an US-Zugeständnisse – etwa die Aufhebung von Sanktionen und Entschädigungszahlungen.
Eine endgültige Einigung unter Beteiligung der USA steht also noch aus. Ein Teil der geopolitischen Risikoprämie bleibt deshalb im Goldpreis erhalten. Die Gespräche allein bremsen zwar den unmittelbaren Aufwärtsdruck, mehr aber auch nicht.
BCA Research rät zum Einstieg
Trotz der diplomatischen Unsicherheit sehen Analysten von BCA Research jetzt den richtigen Zeitpunkt für einen Einstieg. Das kanadische Analysehaus stuft seine taktische Haltung auf „Bullish“ hoch. Es empfiehlt Anlegern, aktiv Goldpositionen aufzubauen.
Hauptgrund ist die Einschätzung, dass die US-Realzinsen ihren Höhepunkt im aktuellen Zyklus überschritten haben. Realzinsen sind Nominalzinsen abzüglich der Inflationserwartungen. Sinken die Realrenditen, gewinnt Gold als unverzinstes Asset an Attraktivität.
BCA Research sieht damit den größten Gegenwind der vergangenen Monate als überstanden an. Für die Position setzt das Haus eine Stop-Loss-Marke bei 3.900 US-Dollar. Sie soll vor einer tieferen Korrektur schützen, falls Notenbanken doch straffer vorgehen.
Das „Inflation Trifecta“ als Warnsignal
Michele Schneider, Chief Market Strategist bei MarketGauge, liefert einen weiteren Blickwinkel. Sie deutet die jüngste Stabilität von Gold als Zeichen für schwindendes Vertrauen in die globale Geldpolitik. Dafür beobachtet sie ein selbst definiertes „Inflation Trifecta“ – eine Kombination aus dem Gold-Silber-Verhältnis, dem US-Dollar und dem Zuckerpreis.
Besondere Bedeutung hat für sie das Gold-Silber-Verhältnis. Fällt diese Ratio unter die Marke von 69, wäre das laut Schneider ein Signal für eine neue Inflationswelle. Silber könnte dann dank seiner industriellen Nachfrage Gold in der Wertentwicklung übertreffen. Für Gold-Anleger bleibt deshalb die Verteidigung des aktuellen Preisniveaus wichtig.
Charttechnik: Nächste Hürde bei 4.505 Dollar
Nach dem starken Wochenanstieg steht Gold vor wichtigen technischen Hürden. Analysten von XTB beziffern die Chance auf eine Fortsetzung der Rally in dieser Woche auf rund 60 Prozent. Bedingung: Die Unterstützung bei 4.340,60 US-Dollar muss halten.
Hält dieser Support, liegt das nächste Ziel im Tageschart bei der 200-Tage-Linie. Diese verläuft laut XTB aktuell bei etwa 4.505,80 US-Dollar. Der RSI des Goldpreises liegt bei 66,5 – überkauft ist das Metall damit noch nicht.
Ein nachhaltiger Ausbruch über die 200-Tage-Linie würde das Chartbild deutlich aufhellen. Am physischen Markt in Asien zeigten sich die Aufschläge am Montagmorgen stabil. Das deutet auf eine weiterhin solide Grundnachfrage hin.
Die Woche entscheidet sich an der Marke von 4.340,60 US-Dollar. Hält dieser Support, rechnen die XTB-Analysten mit einer Fortsetzung der Rally in Richtung der 200-Tage-Linie bei 4.505,80 US-Dollar.
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