Der Iran blockiert die Straße von Hormus. Die US-Marine beschlagnahmt ein iranisches Frachtschiff. Normalerweise treiben solche geopolitischen Eskalationen den Goldpreis steil nach oben. Aktuell passiert genau das Gegenteil. Das Edelmetall verliert spürbar an Wert.
Geopolitik verfehlt ihre Wirkung
Teheran hat die strategisch wichtige Meerenge am Wochenende komplett abgeriegelt. Der globale Ölhandel spürt diesen Einschnitt sofort. Die Brent-Rohölpreise schossen als Reaktion um mehr als fünf Prozent in die Höhe. Parallel dazu wachsen die Inflationssorgen am Markt.
Trotz dieses Krisenszenarios gibt der Goldpreis nach. Die Notierung rutschte am Montag um rund ein halbes Prozent auf 4.831,30 US-Dollar ab. Damit fällt der Kurs unter seine wichtige 50-Tage-Linie. Seit Jahresanfang steht zwar noch ein Plus von gut elf Prozent auf der Anzeigetafel. Kurzfristig dominieren jedoch die Verkäufer das Bild.
Renditen schlagen Krisenmodus
Hinter der Kursschwäche stecken harte Finanzmathematik und ein starker US-Dollar. Ein aufwertender Greenback macht das Edelmetall für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer. Das bremst die physische Nachfrage spürbar.
Hinzu kommen steigende Renditen bei US-Staatsanleihen. Hier liegt das Hauptproblem für Gold. Das Edelmetall wirft keine Zinsen ab. Bieten sichere Staatsanleihen plötzlich höhere Erträge, schichten Investoren ihr Kapital um. Die Opportunitätskosten für das Halten von Gold steigen in diesem Umfeld schlichtweg zu stark an.
Blick auf die Fed-Spitze
Die US-Geldpolitik liefert nun den nächsten großen Impuls. Am Dienstag tritt der designierte Fed-Vorsitzende Kevin Warsh vor den Senatsausschuss. Er soll Jerome Powell im Mai ablösen.
Investoren erhoffen sich von seiner Anhörung konkrete geldpolitische Signale. Seine Aussagen zum künftigen Zinskurs und zur Bilanzpolitik der Notenbank werden das Realzinsniveau direkt beeinflussen. Liefert Warsh restriktive Töne und deutet länger hohe Zinsen an, dürfte der Gegenwind für Gold weiter zunehmen.
