Zwei Schocks gleichzeitig — das ist selten. Und teuer. Amerikanische Luftangriffe auf den Iran und ein überraschend heißer Arbeitsmarkt haben den Goldpreis in einer Woche um fast neun Prozent gedrückt.
Der Preis notiert aktuell bei rund 4.113 Dollar je Unze — knapp 27 Prozent unter dem Allzeithoch vom Januar. Mit einem RSI von 25,7 befindet sich Gold im überverkauften Bereich.
Inflation zwingt Fed zur Kurskorrektur
Das Bureau of Labor Statistics meldete am 10. Juni einen Anstieg des Consumer Price Index um 4,2 Prozent im Jahresvergleich — der höchste Wert seit April 2023. Energiekosten verteuerten sich dabei um 23,5 Prozent und machten mehr als 60 Prozent des monatlichen Anstiegs aus.
Der Kern-CPI — ohne Lebensmittel und Energie — lag bei 2,9 Prozent. Das klingt moderat. Aber der Arbeitsmarktbericht hat jede Hoffnung auf baldige Zinssenkungen beendet.
Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen. Der Konsens hatte 80.000 erwartet. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember kletterte laut CME FedWatch auf 70 Prozent. Goldman Sachs strich alle Zinssenkungen für 2026 aus seiner Prognose und verschob die nächsten zwei Schritte auf Juni und Dezember 2027.
Reale Renditen als Hebel
Hier liegt der eigentliche Mechanismus. Höhere nominale Renditen verteuern das Halten von Gold — das selbst keine Erträge abwirft. Steigen Realrenditen, sinkt der Preis. Gold hat seinen 200-Tage-Durchschnitt erstmals seit Oktober 2023 unterschritten.
Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.
Zentralbanken kaufen weiter
Das strukturelle Bild bleibt intakt. Zentralbanken erwarben im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen Gold — mehr als im Vorquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt.
Polen führt die Liste an: Die Nationalbank erhöhte ihre Reserven um 31 Tonnen auf 582 Tonnen. Das erklärte Ziel liegt bei 700 Tonnen. China kaufte im Mai weitere 9,95 Tonnen — der 19. Monat in Folge mit Zukäufen.
Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal lag bei 1.231 Tonnen, zwei Prozent über dem Vorjahr. Der Quartalsnachfragewert sprang um 74 Prozent auf ein Rekordniveau von 193 Milliarden Dollar — getrieben von den hohen Preisen zu Jahresbeginn.
Schmuck bricht ein, Analysten bleiben gelassen
Der Schmucksektor leidet. Die Nachfrage fiel im ersten Quartal auf 335 Tonnen — ein Rückgang von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. China verlor 32 Prozent, Indien 18 Prozent, der Nahe Osten 23 Prozent.
Goldman Sachs hält dennoch an einem Jahresendziel von 5.400 Dollar fest — rund 29 Prozent über dem aktuellen Niveau. Das Haus verweist auf die Zentralbanknachfrage als strukturellen Boden und ließ das Kursziel trotz gestrichener Zinssenkungen unverändert.
J.P. Morgan benennt das Hauptrisiko präzise: Bleiben Wachstum und Beschäftigung robust, während die Inflation weiter steigt, könnte ein neuer Fed-Zinserhöhungszyklus die Investorennachfrage nach Gold schrittweise erodieren. Das World Gold Council hält sein Jahresziel für Zentralbankkäufe bei 700 bis 900 Tonnen — eine Größenordnung, die den Preis auch bei schwächerer Investorennachfrage stützen dürfte.
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