Gold hat sich am Mittwoch kräftig erholt und damit den kurzen Ausflug auf ein Dreiwochentief beendet. Der Spotpreis legte um 1,4 Prozent zu und schloss bei 4.387,23 US-Dollar je Feinunze. Auslöser war ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht, der die Zinserwartungen der Notenbank neu justierte und den Dollar unter Druck setzte.
Schwacher ADP-Bericht dreht die Stimmung
Der private US-Arbeitsmarkt schuf im August nur 38.000 neue Stellen – deutlich weniger als die erwarteten 47.000 und der schwächste Zuwachs seit Januar. Die Daten, die auf Lohnabrechnungen von mehr als 26 Millionen Beschäftigten basieren, ließen sowohl den Dollar als auch die Anleiherenditen von ihren jüngsten Hochs zurückfallen.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank von 4,81 auf 4,79 Prozent. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, wirkte das wie ein Befreiungsschlag: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September fiel laut FedWatch auf 64 Prozent.
Der New Yorker Fed-Präsident John Williams stützte die Zinssenkungsfantasie zusätzlich. Er sieht Anzeichen für nachlassende Inflation, da Zolleffekte auslaufen und Energiepreise kaum auf die Dienstleistungspreise durchschlagen. Der als geldpolitische Taube geltende Notenbanker signalisierte damit Rückendeckung für die Zinspause vom Juli.
Die nächste Fed-Sitzung findet am 15. und 16. September statt, der offizielle US-Arbeitsmarktbericht für August wird bereits an diesem Freitag veröffentlicht und dürfte die kurzfristige Richtung vorgeben.
Nach den Marktdaten bleibt der Goldpreis dennoch angeschlagen: Binnen sieben Tagen verlor das Edelmetall 4,7 Prozent, nachdem eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh zuvor für Verunsicherung gesorgt hatte. Auf Sicht von 30 Tagen steht dagegen ein Plus von 7,6 Prozent, seit Jahresbeginn liegt Gold 1,6 Prozent im Plus. Zum bisherigen Jahreshoch von 5.598,58 Dollar, erreicht Ende Januar, fehlen aktuell noch 22 Prozent.
Niederländische Zentralbank zieht Gold aus den USA ab
Parallel zur Kursbewegung sorgte eine geldpolitische Entscheidung der Niederlande für Aufsehen. Die niederländische Zentralbank DNB verlagerte zwischen März und August 86 Tonnen Gold aus den USA und Kanada nach London.
DNB-Präsident Olaf Sleijpen begründete den Schritt mit der Absicht, die Einsatzfähigkeit und Handelbarkeit der Reserven angesichts zunehmender geopolitischer Unruhen zu verbessern. Von den 86 Tonnen wurden 27 Tonnen physisch transportiert, der Rest über Verkäufe und Rückkäufe abgewickelt.
Durch den Transfer sinkt der Anteil der niederländischen Reserven in New York von rund 31 auf 18,5 Prozent, in Kanada ebenfalls von 19,7 auf 18,5 Prozent. London hält nun 32,1 Prozent der insgesamt 612,4 Tonnen umfassenden Goldreserven, die Ende 2025 mit 72,2 Milliarden Euro bewertet wurden.
Die Niederlande hatten bereits 2014 rund 112 Tonnen aus New York zurückgeholt. Die deutsche Bundesbank, die mit 3.350 Tonnen deutlich größere Bestände hält, sieht nach eigenen Angaben keinen Anlass für ähnliche Schritte und lagert weiterhin 51 Prozent in Frankfurt, 37 Prozent in New York und 12 Prozent in London.
Geopolitik bleibt Belastungs- und Stützfaktor zugleich
Die Gemengelage aus Krisenprämie und Zinserwartungen prägt derzeit den gesamten Edelmetallsektor. Steigende Ölpreise und Spannungen zwischen den USA und dem Iran wirkten zuletzt stützend auf Gold, während höhere Energiekosten gleichzeitig die Inflationssorgen anheizten.
Eine Äußerung von US-Präsident Trump, wonach der Krieg im Iran „ziemlich beendet“ sei, ließ die Ölpreise am Donnerstag deutlich nachgeben – Brent verlor 5,2 Prozent, WTI mehr als 7 Prozent. Für Anleger bleibt der Ausblick auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag der nächste wichtige Termin, der die Zinserwartungen und damit die kurzfristige Goldpreisrichtung erneut verschieben könnte.
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