Der Goldpreis hat sich am Montag mit einem Plus von 0,47 Prozent auf 4.422,30 US-Dollar in die neue Woche gerettet und damit die jüngste Rally fortgesett. Auf Wochensicht steht für das Edelmetall ein Anstieg von 6,97 Prozent zu Buche – die stärkste Wochenperformance seit Mitte Januar.
Zum bisherigen Rekordhoch von 5.586,20 Dollar, das Ende Januar markiert wurde, fehlen dem Kurs damit weiterhin gut 20 Prozent. Anleger richten den Blick nun auf die US-Inflationsdaten, die am Mittwoch veröffentlicht werden und als nächster großer Test für die Rally gelten.
Schwacher Arbeitsmarkt befeuert Zinssenkungsfantasie
Auslöser der jüngsten Kaufwelle war der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht für Juli: Die US-Wirtschaft baute 23.000 Stellen ab, während die Zahlen der Vormonate um insgesamt 103.000 Stellen nach unten revidiert wurden.
Die Arbeitslosenquote kletterte auf 4,1 Prozent, das Lohnwachstum fiel mit 3,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Mai 2021. Die Daten nährten Spekulationen über eine baldige Zinswende der Federal Reserve und drückten zugleich die Erwartungen an weitere Zinsanhebungen.
Am Mittwoch folgt mit dem Verbraucherpreisindex für Juli der nächste Belastungstest: Der Konsens erwartet eine Jahresrate von 3,4 Prozent nach 3,5 Prozent im Juni, bei der Kerninflation wird ein Rückgang auf 2,5 Prozent von zuvor 2,6 Prozent veranschlagt.
Jim Caron, Chief Investment Officer bei Morgan Stanley Investment Management, warnte bei Bloomberg Surveillance jedoch, dass ein überraschend hoher Inflationswert der Notenbank erneut Probleme bereiten könnte.
Parallel dazu treibt die Lage rund um die Straße von Hormus die Ölpreise und damit indirekt auch die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold. Auch Silber profitierte von der Unsicherheit und legte binnen Wochenfrist um mehr als 10 Prozent zu.
Notenbanken kaufen in Rekordtempo
Neben der Zinsdebatte stützt strukturelle Nachfrage den Goldpreis. Die chinesische Notenbank PBOC stockte ihre Bestände im Juli den 21. Monat in Folge auf und hält inzwischen 76,08 Millionen Feinunzen.
Im zweiten Quartal kauften Zentralbanken weltweit netto 289 Tonnen Gold – ein Rekordwert und ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Polen erwarb dabei 51 Tonnen, China 33 Tonnen. Diese anhaltenden Käufe gelten als struktureller Unterbau, der die Rally von den kurzfristigen Zins- und Konjunkturschwankungen unabhängiger macht.
Analysten bleiben trotz Rekordniveau optimistisch
Trotz der bereits erheblichen Kursgewinne – binnen zwölf Monaten steht ein Plus von knapp 32 Prozent zu Buche – sehen große Häuser weiteres Potenzial. Goldman Sachs hält an seinem Jahresendziel von 4.900 Dollar je Feinunze fest, nachdem die Bank ihre Prognose im Juni bereits von 5.400 Dollar gesenkt hatte.
Die Deutsche Bank bekräftigte ihr Kursziel von 4.600 Dollar und geht damit von einer noch nicht ausgereizten Rally aus. Andere Institute zeichnen ein deutlich aggressiveres Bild und sehen die Notierung bis Ende 2026 oder 2027 auf Marken von 5.400 bis über 6.000 Dollar steigen, sollten Zinssenkungen und geopolitische Risiken anhalten.
Charttechnisch bewegt sich der RSI mit einem Wert von 67,4 in überkauftem Terrain, was kurzfristig Konsolidierungsrisiken birgt. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 6,00 Prozent unterstreicht die Dynamik der jüngsten Aufwärtsbewegung.
Für die kommenden Tage dürfte vor allem der US-Verbraucherpreisindex am Mittwoch über die kurzfristige Richtung entscheiden – ein unerwartet hoher Wert könnte die Zinssenkungshoffnungen dämpfen und damit auch dem Goldpreis vorübergehend zusetzen.
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