Der Goldpreis notiert am Mittwoch bei 4.308,39 US-Dollar je Feinunze und gibt damit den vierten Tag in Folge nach. Auslöser des Rückgangs war eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh, die Anlegern eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September signalisierte. Ein stärkerer Dollar und steigende US-Renditen setzten dem Edelmetall zusätzlich zu.
Medienberichten zufolge fiel Gold direkt nach der Rede an einem Handelstag um rund 3 Prozent. Auf Wochensicht verlor das Metall damit rund 5,5 Prozent – ein deutlicher Einbruch, nachdem der Preis zwischenzeitlich fast 4.700 US-Dollar je Feinunze erreicht hatte. Die aktuelle Wochenbilanz laut Marktdaten liegt bei minus 6,3 Prozent, was den scharfen Charakter der Korrektur unterstreicht.
Vom Rekordhoch in die Korrektur
Die Bewegung markiert eine Kehrtwende nach einem außergewöhnlich starken Sommer. Ende August hatte die Deutsche Börse gemeldet, der Goldpreis sei in kurzer Zeit von 4.000 US-Dollar auf über 4.600 US-Dollar gesprungen – der höchste Stand seit Mai. Als Treiber nannte die Deutsche Börse Sorgen über hohe Staatsverschuldungen sowie einen breiten Sommertrend bei Rohstoffen.
Reuters bestätigte, dass Spot-Gold bereits am 21. August auf ein mehr als dreimonatiges Hoch gestiegen war und intraday bis 4.631,99 US-Dollar kletterte, bevor es bei 4.623,94 US-Dollar schloss. Als Auslöser dieser Rally identifizierte Reuters einen schwächeren Dollar und technische Kaufsignale.
Auch schwache US-Konjunkturdaten und eine überraschende Ankündigung des US-Finanzministeriums trieben Gold Ende August auf neue Wochenhochs, wie die Deutsche Börse berichtete. Zugleich verwiesen die Analysten bereits damals auf den September als geldpolitisch entscheidenden Monat – eine Einschätzung, die sich mit der aktuellen Warsh-Rede nun bewahrheitet.
Strukturelle Nachfrage bleibt intakt
Trotz der scharfen Korrektur der vergangenen Tage bleibt der längerfristige Aufwärtstrend bestehen: Auf Sicht von zwölf Monaten steht Gold noch immer mit einem Plus von 22 Prozent da. Die fundamentale Nachfrage aus Asien stützt diese Entwicklung. Chinas Netto-Goldimporte über Hongkong stiegen im Juli um 11 Prozent gegenüber dem Vormonat, und laut einem Bericht wolle China den Ausbau seiner Goldreserven weiter vorantreiben.
Auch von der Angebotsseite gibt es Bewegung: Ghana untersagte ab dem 1. September die Exporte von unraffiniertem, im Kleinbergbau gewonnenem Gold-Doré – ein Schritt, der das globale Angebotsgefüge auf Sicht beeinflussen könnte.
Ausblick: September als Nervenprobe
Der September gilt als geldpolitisch entscheidender Monat, und die Reaktion auf die Warsh-Rede zeigt, wie sensibel der Markt auf Zinssignale reagiert. Nach dem fulminanten Anstieg des Sommers – im August stand noch ein Plus von mehr als 10 Prozent zu Buche – wirkt die aktuelle Schwäche wie eine überfällige Verschnaufpause.
Ob sich die strukturellen Nachfragefaktoren aus China und die Sorgen um die US-Staatsverschuldung gegen die restriktiveren Zinserwartungen durchsetzen, dürfte die kommenden Wochen bestimmen.
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