Gold notiert am Freitag bei 4.643,30 Dollar je Feinunze und legt im Tagesverlauf um 1,5 Prozent zu. Der jüngste Kurssprung fällt in eine Phase, in der strukturelle Nachfragedaten das eigentliche Fundament der Rally offenlegen: Zentralbanken kaufen so viel Gold wie nie zuvor in einem zweiten Quartal.
Zentralbanken kaufen wie nie zuvor
Der World Gold Council meldete für das zweite Quartal 2026 Nettokäufe der Notenbanken von 288,9 Tonnen – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und das stärkste zweite Quartal in der Geschichte der Erhebung. Angeführt wurde die Käuferliste von Polen mit 51 Tonnen, das damit seinem selbst gesteckten Ziel von 700 Tonnen im Bestand immer näher kommt.
China kaufte 33 Tonnen, den größten Einzelkauf seit dem vierten Quartal 2023, und setzte damit laut Bloomberg eine Serie von 21 aufeinanderfolgenden Monaten ununterbrochener Goldakkumulation fort. Auch Usbekistan und Kasachstan gehörten zu den größten Käufern des Quartals.
Diese Zentralbankkäufe kompensierten einen deutlichen Nachfrageeinbruch bei Schmuck, der um 17 Prozent auf 278,2 Tonnen fiel – das schwächste Quartal seit der Pandemie. In der Summe stieg die weltweite Goldnachfrage im ersten Halbjahr 2026 dennoch um 2 Prozent auf geschätzte 2.522 Tonnen im Wert von 380 Milliarden Dollar, wie der World Gold Council mitteilte.
Bemerkenswert ist der Kontrast zum ersten Quartal, als die Zentralbanken mit nur 57 Tonnen weit hinter der WGC-Prognose von 244 Tonnen zurückblieben. Der Rebound im zweiten Quartal signalisiert, dass die offizielle Nachfrage keineswegs strukturell abflaut, sondern eher schwankt.
Eine im Juni durchgeführte Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken untermauert dieses Bild: 45 Prozent der Befragten gaben an, in den kommenden zwölf Monaten Gold kaufen zu wollen – der höchste Anteil seit Beginn dieser Erhebung 2018. 89 Prozent der Reserveverwalter erwarten zudem, dass die weltweiten Goldreserven der Notenbanken insgesamt weiter zunehmen.
ETF-Anleger schwenken um
Während private Schmucknachfrage schwächelte, drehte sich das Bild bei börsengehandelten Goldfonds im Sommer. Nach Nettoabflüssen von 44,8 Tonnen im zweiten Quartal – nach Zuflüssen von 171,1 Tonnen im ersten Quartal – verzeichnete der SPDR Gold Trust am 7. August Nettozuflüsse von rund 637 Millionen Dollar an einem einzigen Tag. Medienberichten zufolge deutet dies auf eine Trendwende bei institutionellen Anlegern hin, die zuvor Gewinne mitgenommen hatten.
Saisonalität spricht für Fortsetzung
Der Zeitpunkt der Rally passt in ein historisches Muster: August und September zählen laut World Gold Council zu den saisonal stärksten Goldmonaten, begünstigt durch typischerweise niedrigere US-Anleiherenditen und anziehende physische Nachfrage in Asien. Seit 2017 endete zudem kein zweites Halbjahr mehr im Minus – zuletzt war dies 2016 mit einem Rückgang von 13,7 Prozent der Fall.
Mit einem RSI von 69,9 nähert sich Gold zwar überkauftem Terrain, notiert aber weiterhin rund 17 Prozent unter seinem Januar-Hoch von 5.586,20 Dollar und damit deutlich unter dem im selben Monat markierten Allzeithoch von rund 5.593 bis 5.598 Dollar.
Der Kurs liegt außerdem 40 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3.326,50 Dollar, das im August vergangenen Jahres erreicht wurde – ein Beleg für die Breite der Erholung seit dem Sommertief. Anleger richten den Blick nun auf die nächste FOMC-Sitzung am 15. und 16. September sowie auf das Jackson-Hole-Symposium Ende des Monats, bei dem Fed-Chef Kevin Warsh am 28. August spricht.
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