Im Nahen Osten brennt es. US-Streitkräfte greifen nach dem Ende der Waffenruhe massiv Ziele im Iran an. Normalerweise treibt so ein Szenario Anleger panisch in sichere Häfen. Die Realität beim Goldpreis sieht aktuell völlig anders aus.
Das zinslose Edelmetall verliert an Reiz. Spotgold rutschte zuletzt auf 4.077,50 US-Dollar ab. Auf Monatssicht summiert sich das Minus auf gut sechs Prozent. Der Grund für die Schwäche liegt im fernen Washington.
Die Zins-Peitsche der Fed
Das jüngste Fed-Protokoll zeigt eine unerwartet harte Linie. Die Währungshüter hoben ihre Leitzinsprognose für das Jahresende auf 3,8 Prozent an. Die Hälfte der US-Notenbanker fordert eine weitere Zinserhöhung im laufenden Jahr. Der Markt nimmt sie beim Wort. Händler preisen einen Zinsschritt im Herbst bereits mehrheitlich ein. Das stärkt den US-Dollar und belastet Gold.
Der Konflikt am Golf bremst den Preisverfall kaum. US-Truppen bombardierten über 80 Ziele im Iran. Teheran reagierte umgehend mit Beschuss auf US-Einrichtungen in Kuwait und Bahrain. Die Folge: Öl wird teurer, Gold bleibt schwach. Marktbeobachter sehen die geopolitische Prämie offenbar bereits als vollständig eingepreist an.
Zentralbanken kaufen alles auf
Unter der Oberfläche sammeln staatliche Akteure derweil massiv ein. Die chinesische Zentralbank kaufte im Juni rund 15 Tonnen Gold. Das markiert den zwanzigsten Kaufmonat in Folge. Auch andere Schwellenländer füllen ihre Tresore. Usbekistan und Polen sicherten sich zuletzt zusammen dutzende Tonnen für ihre Reserven. Laut Umfragen erwarten 89 Prozent der Reservemanager weltweit bald noch höhere globale Goldbestände.
Die Divergenz am Markt wächst. Zentralbanken stocken ihre Bestände unermüdlich auf. Spekulative Anleger fliehen dagegen vor den hohen Zinsen. Ein nachhaltiger Boden bildet sich erst, wenn die Fed von ihrem restriktiven Kurs abrückt. Solange der US-Dollar seine Stärke ausspielt, bleibt das Aufwärtspotenzial für Gold streng limitiert.
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