Der Goldpreis hat in der vergangenen Handelswoche kräftig nachgegeben und kämpft nun um die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar je Feinunze. Am Freitag schloss das Edelmetall bei 4.021,30 US-Dollar, ein Plus von 1,03 Prozent gegenüber dem Vortag – eine leichte Stabilisierung nach einer Woche mit deutlichen Verlusten. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 5,98 Prozent zu Buche, und zum bisherigen Jahreshoch vom 29. Januar 2026 bei 5.626,80 Dollar klafft mittlerweile eine Lücke von 28,53 Prozent.
Starker Dollar und Fed-Erwartungen drücken den Preis
Auslöser der jüngsten Schwäche ist ein wiedererstarkter US-Dollar in Kombination mit steigenden Realrenditen. Institutionelle Anleger zogen im Zuge dessen Kapital aus Gold-ETFs ab, was den Verkaufsdruck zusätzlich verstärkte. Der Goldpreis fiel im Wochenverlauf zeitweise auf ein Tief von 3.959 Dollar, bevor er sich wieder in Richtung der 4.000-Dollar-Marke erholte. Eine Wall-Street-Umfrage unter Marktteilnehmern zeigt ein klar bärisches Bild: 79 Prozent der Befragten erwarten für die kommende Woche einen weiteren Rückgang des Preises, nur 7 Prozent rechnen mit steigenden Notierungen. Auch die Vermögensverwaltung Sina Finance befragte 14 Analysten, von denen elf einen fallenden Goldpreis erwarten und lediglich einer mit einem Anstieg rechnet. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung der US-Notenbank im September wird mit 56 Prozent beziffert – ein Umfeld, das Gold als zinslosem Anlagegut zusetzt.
Öl-Schock ohne Rückenwind für das Edelmetall
Eigentlich müssten geopolitische Spannungen dem sicheren Hafen Gold zugutekommen. Die USA führten zuletzt in der achten aufeinanderfolgenden Nacht Luftangriffe auf Iran, während iranische Vergeltungsschläge Militärbasen in Kuwait, Bahrain und Jordanien trafen. Nach Angaben aus den Quellen kamen zwei US-Soldaten in Jordanien ums Leben, insgesamt zählt der Konflikt mittlerweile 16 amerikanische Todesopfer, auf iranischer Seite mindestens 50 zivile Tote seit Anfang Juli. Der Ölpreis reagierte mit einem Sprung von mehr als 14 Prozent binnen einer Woche auf Sorgen um Lieferunterbrechungen an der Straße von Hormus. Gold profitierte von der Eskalation jedoch kaum – der starke Dollar und die restriktive Fed-Rhetorik überlagerten den Sicherheitsaspekt. Analysten sprechen von einer neu aufflammenden Korrelation zwischen Öl- und Goldpreis, die sich für Anleger taktisch nutzen lasse, etwa über Hedging-Strategien.
Analysten uneins: Zwischen 3.300 und 5.200 Dollar
Die Prognosen für die kommenden Monate gehen weit auseinander. Der Analyst Kuptsikevich rechnet mit einem Rückgang auf 3.300 Dollar bis September, während die CPM Group für den Zeitraum vom 17. bis 31. Juli ein Kursziel von 3.820 Dollar nennt – beide mit klar bärischer Ausrichtung. Der Analyst Geraldo Kofit sieht eine Unterstützung bei 3.942 Dollar; werde diese unterschritten, drohe ein weiterer Rutsch bis 3.782 Dollar. Dem gegenüber steht eine deutlich optimistischere Einschätzung von UBS, die den Goldpreis binnen zwölf Monaten bei 5.200 Dollar sieht – getragen von der Erwartung anhaltender Zentralbankkäufe und langfristig strukturell hoher Nachfrage.
China kauft weiter, aber gebremst
Die chinesische Zentralbank hat ihre Goldreserven bis Juni 2026 auf 2.321,6 Tonnen ausgebaut, ein Plus von 27 Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Das Tempo der Käufe hat sich damit spürbar verlangsamt. Gleichzeitig verzeichnen chinesische Privatanleger-ETFs auf Gold mittlerweile Nettoabflüsse statt Zuflüsse. Das südkoreanische Analysehaus Daishin Securities sieht angesichts der weiterhin straffen Geldpolitik nur begrenztes Aufwärtspotenzial und hält neue Rekordhochs kurzfristig für unwahrscheinlich, selbst wenn China als Käufer aktiv bleibt. Für die kommende Handelswoche gilt die Marke von 4.000 Dollar als entscheidende Schwelle: Fällt sie, dürfte sich laut den befragten Marktteilnehmern eine tiefere Korrektur anschließen.
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