Schwache US-Jobzahlen und eine Beruhigung am Golf schieben den Goldpreis am Freitag deutlich nach oben. Beide Faktoren wirken auf denselben Hebel: die Zinserwartungen der US-Notenbank. Für Gold könnte das der Beginn einer Trendwende sein.
Der Goldpreis notiert bei 4.180,00 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,05 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Anstieg von 1,86 Prozent zu Buche. Über 30 Tage bleibt aber ein Minus von 6,33 Prozent, seit Jahresbeginn liegt Gold 3,73 Prozent im Minus.
Ruhe in der Straße von Hormus
Ein wichtiger Treiber kommt aus der Golf-Region. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus normalisiert sich weiter, Fortschritte bei den US-Iran-Gesprächen machen es möglich. Das drückt die Ölpreise und dämpft die Inflationssorgen.
Der Zusammenhang ist auf den ersten Blick paradox. Der eskalierte Iran-Konflikt hatte die Energiepreise nach oben getrieben und damit die weltweite Inflation angeheizt. Normalerweise stärken Krisen Gold als sicheren Hafen. Diesmal überwogen die Inflationssorgen: Sie zerstörten die Zinssenkungshoffnungen und belasteten das Edelmetall stärker, als die geopolitische Unsicherheit es stützte. Mit der Entspannung am Golf kehrt sich dieser Effekt nun teilweise um.
Schwacher Arbeitsmarkt verstärkt den Trend
Frische US-Konjunkturdaten liefern zusätzlichen Rückenwind. Die US-Wirtschaft schuf im Juni nur 57.000 neue Stellen, deutlich weniger als die erwarteten 110.000. Es ist der schwächste Wert seit vier Monaten. Der Freizeit- und Gastgewerbesektor baute trotz eines WM-Tourismusschubs 61.000 Stellen ab.
Die Arbeitslosenquote fiel überraschend auf 4,2 Prozent, weil viele Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt verließen. Das Lohnwachstum zog im Jahresvergleich auf 3,5 Prozent an. Die Zinsmärkte reagierten sofort: Fed-Funds-Futures preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Vor den Jobdaten lag dieser Wert noch bei 67 Prozent.
Sinkende Erwartungen an eine straffere Geldpolitik machen zinslos gehaltenes Gold für Anleger wieder attraktiver. Fed-Chef Kevin Warsh bestätigte diese Woche, dass sich die Inflationserwartungen abschwächen. Gleichzeitig betonte er das Bekenntnis der Notenbank zur Preisstabilität. Marktteilnehmer werten das als Signal: Die Fed bleibt trotz schwacher Arbeitsmarktdaten datenabhängig, ein abrupter Kurswechsel steht nicht bevor.
Bärenmarkt mit strukturellem Boden
Die aktuelle Erholung ändert wenig an der übergeordneten Korrektur. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar liegt Gold noch 25,71 Prozent entfernt. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.414,87 US-Dollar fehlen 5,32 Prozent.
Goldman Sachs hat die Jahresendprognose für 2026 gesenkt: Statt 5.400 US-Dollar erwartet die Investmentbank nun 4.900 US-Dollar je Feinunze. Als strukturelle Stütze gilt weiterhin die Nachfrage der Notenbanken. Ihre Käufe sind zwar vom Hoch bei 67 Tonnen pro Monat im Jahr 2024 zurückgekommen. Sie liegen aber immer noch etwa dreimal höher als die 17 Tonnen vor dem Einfrieren russischer Vermögenswerte im Jahr 2022.
Der RSI von 46,1 zeigt: Gold ist weder überkauft noch überverkauft. Für die kommenden Handelstage bleibt die Kombination aus Golf-Entspannung und Zinserwartungen entscheidend. Setzen sich beide Trends fort, hat die aktuelle Erholung Substanz.
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