Der Goldpreis notiert bei 4.369,89 Dollar je Feinunze und hat sich damit über die runde Marke von 4.300 Dollar zurückgekämpft. Der eigentliche Treiber für die mittelfristige Stärke des Edelmetalls liegt jedoch nicht im Tagesgeschehen, sondern in den Bilanzen der Notenbanken.
Im zweiten Quartal 2026 kauften Zentralbanken weltweit 288,9 Tonnen Gold – ein Plus von 62,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Polen führte die Käufer mit 51 Tonnen an, China kam auf 33 Tonnen Zukauf. Solche Volumina verschieben nicht nur kurzfristig die Nachfragekurve, sie signalisieren eine strukturelle Neuausrichtung der Reservepolitik.
Umfrage zeigt so hohe Kaufbereitschaft wie nie
Dass dieser Trend anhalten könnte, legt eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken aus dem Juni nahe: 45 Prozent der Institute erklärten die Absicht, in den kommenden zwölf Monaten Gold zu kaufen – der höchste Anteil seit Beginn der Erhebung im Jahr 2018. Für den Markt ist das ein wichtiges Signal, weil Zentralbanken als besonders preisunsensible Käufer gelten und ihre Nachfrage tendenziell über Konjunkturzyklen hinweg stabil bleibt.
Parallel dazu bestätigt sich die Nachfrage auch auf der Anlegerseite. Mit Gold besicherte ETFs verzeichneten im Juli weltweit Nettozuflüsse von 3 Milliarden Dollar. Institutionelle wie private Investoren bauen also gleichzeitig Positionen auf, während Notenbanken ihre Reserven diversifizieren.
Kursverlauf bleibt volatil
Der Kursverlauf liegt im Kontext einer insgesamt schwankungsreichen Phase.
Viele Marktteilnehmer brachten diesen Anstieg mit der Ankündigung des US-Finanzministeriums in Verbindung, das Rückkaufprogramm für Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren zu verdoppeln.
Krishan Gopaul vom World Gold Council ordnete die Rally im August allerdings nicht einem einzelnen politischen Auslöser zu, sondern einer breiten Investmentnachfrage.
Ausblick: Neue Zentralbankdaten im Fokus
Für Anleger dürfte der Blick nun auf die kommenden Wochen gerichtet sein. Der Dot-Plot der Fed aus der jüngsten FOMC-Sitzung liefert Hinweise auf den weiteren Zinspfad, während die Zentralbank-Goldkaufdaten für das dritte Quartal 2026 rund fünf Wochen nach Quartalsende erwartet werden.
Bestätigt sich der Kauftrend aus dem zweiten Quartal, dürfte das dem Edelmetall einen weiteren strukturellen Nachfrageanker liefern – unabhängig von den kurzfristigen Ausschlägen, die derzeit von Zinsentscheidungen und geopolitischen Nachrichten ausgehen.
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