Gold notiert aktuell bei 4.345 US-Dollar je Unze — knapp 23 Prozent unter dem Januarhoch von 5.627 Dollar, aber mit neuem Rückenwind aus zwei Richtungen. Eine historische Umfrage des World Gold Council und ein Friedensabkommen am Persischen Golf prägen die Stimmung zum Wochenbeginn.
Rekordzahl der Zentralbanken kauft Gold
45 Prozent der vom World Gold Council befragten Reservemanager planen, ihre Goldbestände in den nächsten zwölf Monaten auszubauen. Das ist der höchste je gemessene Wert in dieser Jahresumfrage. 89 Prozent rechnen mit steigenden globalen Goldreserven insgesamt.
Die Zahlen haben historischen Kontext: Gold hat US-Staatsanleihen als weltgrößte Reserveanlage überholt — erstmals seit 1996. Ende 2025 machte Gold bereits 27 Prozent der globalen Zentralbankreserven aus, gegenüber 20 Prozent ein Jahr zuvor. Der Anteil von US-Staatsanleihen fiel im gleichen Zeitraum von 25 auf 22 Prozent.
Hinter diesem Wandel steckt strukturelles Kaufverhalten. In den vergangenen vier Jahren akkumulierten Zentralbanken durchschnittlich 1.000 Tonnen Gold pro Jahr — doppelt so viel wie im Jahresdurchschnitt des vorangegangenen Jahrzehnts. Polen kaufte allein im April 14 Tonnen und hält nun 595 Tonnen oder rund 30 Prozent seiner Gesamtreserven in Gold. China addierte im selben Monat 8 Tonnen — der höchste Monatswert seit Dezember 2024.
De-Dollarisierung als struktureller Treiber
Die WGC-Umfrage benennt geopolitische Unsicherheit als wichtigsten Faktor für Golds Attraktivität als Reserveanlage. Neun von zehn Zentralbanken erwarten, dass die Dominanz des US-Dollars bei globalen Reserven innerhalb von fünf Jahren abnimmt. Länder wie China, Polen, die Türkei und Indien haben ihre Portfolios bereits entsprechend umgebaut.
Das ist kein kurzfristiger Trend. Er läuft seit Jahren und beschleunigt sich.
Hormuz-Abkommen entlastet Inflationsdruck
Parallel dazu sorgt ein US-iranisches Friedensabkommen für neue Marktdynamik. Die USA und der Iran einigten sich auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormuz. Die Ölpreise fielen daraufhin auf ein Zweimonatstief. Das drückt auf die Inflationserwartungen — relevant, weil die US-Inflation im Mai auf 4,2 Prozent gestiegen war, getrieben von einem Energiepreisanstieg von 23,5 Prozent infolge des Konflikts.
Das Abkommen soll am 19. Juni in der Schweiz unterzeichnet werden. Es umfasst Sanktionserleichterungen für den Iran und den Beginn von 60-tägigen Nuklearverhandlungen.
Fed-Sitzung als nächster Kurstreiber
Die US-Notenbank tagt in dieser Woche — erstmals unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Märkte erwarten keine Zinsänderung. Ferner stehen der Philadelphia-Fed-Herstellungsindex und weitere Makrodaten an. Der RSI von 43,7 deutet auf eine neutrale bis leicht überverkaufte technische Lage hin. Ob Gold den Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt bei 4.586 Dollar wieder schließen kann, hängt maßgeblich vom Ton der Fed ab.
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