Der Goldpreis gibt am Mittwoch nach – ausgerechnet in einer Phase steigender geopolitischer Spannungen. Statt vom Krisenmodus zu profitieren, gerät das Edelmetall unter Druck: Die Eskalation im Golf treibt den Ölpreis, den Dollar und vor allem die Zinserwartungen nach oben. Um 08:40 Uhr New Yorker Zeit notiert die Feinunze bei 4.452,09 US-Dollar, ein Minus von 0,7 Prozent. Auf Wochensicht hält sich Gold mit plus 0,5 Prozent noch knapp über Wasser, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 2,95 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt von 4.640,90 Dollar wird um 3,7 Prozent unterschritten, der RSI von 40,1 signalisiert leichten Abgabedruck.
Der Öl-Gold-Konflikt
Im Golf eskalieren die Kämpfe. Gemeldet wurden iranische Angriffe auf den Flughafen in Kuwait und US-Militärschläge nahe der Straße von Hormus. Der Ölpreis zog an – für den Goldmarkt ein zweischneidiger Effekt. Zwar steigt in Krisen grundsätzlich die Nachfrage nach sicheren Anlagen. Gleichzeitig treiben teurere Energiepreise die Inflationserwartungen. Und genau dieser zweite Effekt überlagert derzeit den ersten.
Höhere Inflation bedeutet höhere Zinsrisiken. Weil Gold keine laufenden Erträge abwirft, verliert es in Phasen steigender Renditeerwartungen an Attraktivität. Parallel dazu legt der Dollarindex den dritten Handelstag in Folge zu. Für Käufer aus anderen Währungsräumen wird Gold damit teurer – ein zusätzlicher Dämpfer.
Fed-Signal verschärft den Druck
Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack nährte die Zinsängste am Dienstag mit deutlichen Worten: Falls der ohnehin hohe Inflationsdruck weiter zunehme, könne die Notenbank bald höhere Zinsen benötigen. Die Markterwartung hat sich entsprechend gedreht. Statt der zu Jahresbeginn noch erhofften zwei Zinssenkungen preisen die Märkte inzwischen eine 42-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember ein.
Hinzu kommen frische Arbeitsmarktdaten. Der ADP-Bericht zeigte für Mai einen stärker als erwarteten Anstieg der privaten Beschäftigung. Am Freitag folgt der offizielle US-Arbeitsmarktbericht – ein wichtiger Gradmesser für den weiteren Fed-Kurs.
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Gemischte Signale vom physischen Markt
Die Schweizer Goldexporte fielen im April um 20 Prozent zum Vormonat. Die Lieferungen nach Großbritannien und China gingen zurück, während Indien und Hongkong mehr erhielten. Regionale Verschiebungen also, aber kein klares Nachfragesignal.
Der gesamte Edelmetallsektor schwächelt: Silber fällt um 1,5 Prozent auf 73,98 Dollar, Platin verliert 1,4 Prozent, Palladium gibt um 2,3 Prozent nach.
Für die kommenden Tage entscheiden zwei Faktoren über die Richtung: neue Meldungen aus dem Golf und die US-Konjunkturdaten am Freitag. Solange der Ölpreis die Zinserwartungen nach oben treibt und der Dollar fest bleibt, fehlt dem Goldpreis der Spielraum für eine nachhaltige Erholung.
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